Magdeburg (rk/dpa) l Ob Handelsbeziehungen globaler Konzerne, Reisepläne von Familien oder große Sport-Veranstaltungen: Die Folgen des Corona-Virus sind enorm.

Unternehmen

„Die Auswirkungen sind auch in Sachsen-Anhalt zu spüren. Firmen haben Dienstreisen abgesagt und Projekte verzögern sich“, erklärte Jan Pasemann, Sprecher der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände. Finanziellen Schäden durch das Virus könnten derzeit aber noch nicht beziffert werden.

Aktuell gestaltet sich jedoch bereits die Kommunikation mit chinesischen Handelspartnern in betroffenen Regionen schwierig. „Es treten vereinzelt Probleme auf, die Geschäftspartner in China überhaupt zu erreichen“, so ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. Die IHK selbst hat ihre für März geplanten China-Tage auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach Angaben des Statistischen Landesamts war China 2019 mit Einfuhren im Wert von 1,5 Millarden Euro das drittwichtigste Einfuhrland aus Sicht Sachsen-​Anhalts. Das entsprach acht Prozent des gesamten Importvolumens.

Einige große Unternehmen befürchten bereits große finanzielle Schäden. So rechnet der Spirituosenkonzern Diageo (Smirnoff-Wodka) damit, dass der Nettoumsatz im Geschäftsjahr 2019/20 (bis Ende Juni) wegen des Virus zwischen 268,68 bis 388,08 Millionen Euro geringer ausfallen dürfte. Viele Bars und Restaurants in China seien geschlossen.

Medikamente

„Es ist zu vermuten, dass es zu Lieferengpässen bei Medikamenten kommt, weil viele Wirkstoffproduzenten in China ansässig sind, aber wirklich belegen kann das im Augenblick noch niemand“, erklärte Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekenkammer Sachsen-Anhalt. Als neuartige Infektionskrankheit dürfe man das Corona-Virus durchaus nicht auf die leichte Schulter nehmen, „aber man muss den Leuten aktuell auch etwas die Panik nehmen“.

Vermehrt decken sich aktuell Kunden mit Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel in seiner Nordpark-Apotheke in Magdeburg ein. „Ordentliche, normale Hygienemaßnahmen sind hingegen die besten Vorsorgemaßnahmen“, so Münch. Derzeit gibt es einen Ansturm auf Schutzmasken. Für gesunde Menschen in Deutschland ist es nicht nötig, im Alltag Atemmasken zu tragen.

Schifffahrt

Die weltweiten Lieferketten geraten durcheinander und bremsen die internationale Schifffahrt. Charterraten für Massengutschiffe sind teils um 30 bis 40 Prozent oder mehr zurückgegangen – weil China weniger Rohstoffe importiert. Zudem stockt die Beladung von Containerschiffen, weil es in den großen Häfen auch im Süden Chinas an Kran- und Lkw-Fahrern sowie an Hafenarbeitern fehle, so der Verband Deutscher Reeder.

Tourismus

Aufgrund der globalen Ausbreitung des Corona-Virus ist insbesondere die Tourismus-branche stark betroffen. „Wir haben vorsorglich alle Reisen nach China bis zum 30. April 2020 abgesagt“, erklärte eine Sprecherin von „DER Tours“, der drittgrößte deutsche Reiseveranstalter. Auch die Lufthansa Group hat bis Ende März sämtliche Passagierflüge zum chinesischen Festland gestrichen. Viele Bürger machen sich bereits Gedanken über ihren Sommerurlaub.

So berichten Reisebüros im Land, dass zuletzt vermehrt Kunden ihre Reisen nach Italien storniert haben. Wie die Tui-Konzern-Zentrale auf Volksstimme-Nachfrage mitteilte, sind auch 35 Gäste des deutschen Marktführers von der Hotel-Sperrung wegen dem Corona-Virus auf Teneriffa betroffen. Dort war ein italienischer Gast positiv getestet worden.

Arbeitnehmer

Wenn Kindergärten und Schulen aus Vorsicht zum Infektionsschutz geschlossen sind, können Arbeitnehmer im Notfall zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen. Wer auf Reisen ist und zum Beispiel im Hotel über seinen geplanten Abwesenheitszeitraum hinaus unter Quarantäne gestellt wird, kann nicht zur Arbeit kommen. „In einem solchen Fall hat man Anspruch auf Entschädigung“, erklärt Na-thalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Wenn der Bahn- und Nahverkehr eingestellt wird, trägt der Abreitnehmer hingegen das Wegerisiko.

Wird ein Betrieb wegen des neuartigen Coronavirus auf behördliche Anweisung hin geschlossen, muss der Arbeitgeber seinen Beschäftigten gleichwohl im Regelfall das Gehalt weiterzahlen, teilte das Bundesarbeitsministerium am Mittwoch mit.

Messen

Die für März geplante Eisenwarenmesse in Köln soll nun im Februar 2021 stattfinden. Nach Angaben der Kölner Messe hatten zuvor Aussteller abgesagt. Auch in Frankfurt entschied man sich, die zunächst vom 8. bis zum 13. März geplante Messe für Licht- und Gebäudetechnik zu verschieben. Die Veranstalter der Hannover-Messe wollen sich mit der Entscheidung über eine mögliche Verschiebung der weltgrößten Industrieschau (20. bis 24. April) noch Zeit lassen.

Die weltgrößte Tourismusmesse ITB (4. bis 8. März) verschärft auf Anweisung der Gesundheitsbehörden die Vorgaben. Aussteller, die innerhalb der vergangenen 14 Tage in den jeweiligen Risikogebieten in China, Iran, Italien oder Südkorea waren, Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder Anzeichen typischer Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden haben, erhalten keinen Zutritt zum Messegelände.

Post

Wegen der Corona-Ausbreitung in Norditalien hat die Deutsche Post die Zustellung von Paketen in den besonders betroffenen Regionen ausgesetzt. Sowohl die Abholung als auch die Zustellung der Sendungen über italienische Partner finde in den Gemeinden der besonders betroffenen Regionen derzeit nicht statt, teilte eine Post-Sprecherin mit. Wie die „Wirtschaftswoche“ gestern berichtete, stapeln sich seit drei Wochen vor allem viele Pakete des chinesischen Online-Versandhändlers „Wish“ in den Abholstationen. Kunden würden aus Angst, sich anzustecken, die Pakete nicht abholen.