Halle (dpa) l In Sachsen-Anhalt haben wegen der Corona-Krise etliche Selbstständige Hartz IV beantragen müssen, um über die Runden zu kommen. Sie meldeten sich bei den Jobcentern, da sie einen erheblichen Ausfall an Einnahmen oder gar keine Einnahmen mehr hatten, wie ein Sprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit erklärte. Dies führte dazu, dass die Zahl der Neuanträge von Selbstständigen, die bei den Jobcentern Leistungen aus der Grundsicherung beantragt haben, allein von 50 im März dieses Jahres auf rund 1470 Anträge im April anstieg.

Darunter waren auch sogenannte Solo-Selbstständige. Dazu zählen Ein-Frau oder Ein-Mann-Unternehmen, wie es sie oft in der Kultur- und Unterhaltungsszene gibt. Deren Situation ist nach Branchenangaben nach wie vor sehr angespannt. So appellierte der Deutsche Musikrat an den Bund, die Überbrückungshilfen an die Lebensrealität und Nöte der soloselbstständigen Kreativschaffenden anzupassen. Die umfangreichen Konjunkturprogramme hätten viele Bereiche des Kulturlebens erreicht, erklärte ein Sprecher. Doch wie Soloselbstständige Mieten und Versicherungen bezahlen sollen, sei nach wie vor ungeklärt.

Seit dem Ausbruch der Pandemie waren von Bund und Ländern diverse Pakete mit Hilfsangeboten geschnürt worden. Mit dem schrittweisen Hochfahren der Wirtschaft gingen die Zahlen der neuen Anträge auf Hartz IV von Selbstständigen in Sachsen-Anhalt im Sommer zurück. Im Mai waren es noch 670, im September 40 im Land.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im September in Deutschland insgesamt rund 3,9 Millionen erwerbsfähige Menschen auf Leistungen aus der Grundsicherung angewiesen. Das waren 
173. 000 mehr als im Februar dieses Jahres und damit vor Beginn der Corona-Krise, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg erklärte. Die Jobcenter in Sachsen-Anhalt betreuten im September insgesamt rund 137.400 erwerbsfähige Menschen, die Anspruch auf Leistungen aus der Grundsicherung haben.