Magdeburg l Betroffen sind in den nächsten Tagen und Wochen rund 190 Absolventen. Zu ihnen gehört Laura Krüger. Die 23-Jährige studiert Grundschullehramt. Dienstag (24. März) soll sie wie viele Kommilitonen das Examen für Deutsch im Hochhaus des Landesinstituts für Lehrerbildung (LISA) in Halle ablegen. „Nach dem Kontaktverbot wegen Corona finde ich das unverantwortlich“, sagt die Leipzigerin. „Selbst wenn Gruppen geteilt werden – spätestens im Fahrstuhl begegnen sich die Leute.“ Weil viele kein Auto haben, müssten Studenten zudem mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen – ebenfalls ein Risiko, sagt Krüger.

Erik Richter sieht das ähnlich. Bei dem Köthener kommt hinzu, dass er einen achtjährigen Sohn hat. „Die Schule ist dicht, ich muss das Kind jeden Tag unterrichten. Da komme ich in Sachen Prüfung zu nichts.“ Problematisch sei, dass auch die Uni geschlossen ist, inklusive Bibliothek. Bücher für mündliche Prüfungen bekomme er nicht. „Ich sehe hier neben den Risiken auch die Chancengleichheit im Vergleich zu anderen Jahrgängen nicht gegeben“, sagt Richter.

Rückendeckung bekommen die Studenten vom Grundschulverband. „Die Prüfungen trotz der Pandemie abzuhalten, zeugt von mangelndem Verantwortungsbewusstsein“, sagte Vorsitzende Thekla Mayerhofer an die Adresse des zuständigen Bildungsministeriums gerichtet.

Auch die Linke kritisiert das Vorgehen. So verständlich es ist, dass das Ministerium vor den Folgen einer Prüfungsverschiebung zurückscheut, so wenig zumutbar sei es, die Prüfungen weiterlaufen zu lassen, sagte Fraktionschef Thomas Lippmann. Die Alternative könne nur sein, dass Prüfungen und gegebenenfalls der Start ins Referendariat verschoben werden.

Zur Wahrheit gehört allerdings: Es gibt auch Studenten, die sich ein Festhalten an den Terminen wünschen. „Eine Verschiebung wäre für viele mit negativen Folgen verbunden“, schrieb eine Studentin an Marco Tullner. Sie zielte darauf ab, dass sie in diesem Fall möglicherweise ein halbes Jahr bis zur Einstellung ins Referendariat warten müsste.

Aus Sicht der Uni Halle wäre ein dritter Weg der beste: „Wir plädieren für eine Verschiebung der Prüfungen bis Mitte Mai. Dann wäre gesichert, dass alle Zeugnisse bis 30. Juni vorliegen und damit die Einstellung ins Referendariat zum 1. September erfolgen könnte.“ Das Bildungsministerium hält indes am Terminplan fest: „Es geht darum, den Absolventen zu ermöglichen, zum 1. September ins Referendariat zu wechseln“, sagte Sprecher Stefan Thurmann. Am Freitag hätten bereits die Prüfungen in Geografie und Geschichte stattgefunden. Alle Prüflinge seien erschienen, obwohl sie das nicht mussten, so Thurmann.

Bei den Klausuren würden strenge Hygienevorkehrungen getroffen. So sollen die Examen für Deutsch morgen in Kleingruppen, verteilt auf sechs Räumen im LISA und in Magdeburg stattfinden. Zwischen den Bänken würden Sicherheitsabstände eingehalten. Studenten, die nicht teilnehmen wollten, könnten ohne Angabe von Gründen zurücktreten. Nachprüfungen, die normalerweise zu Beginn des Wintersemesters stattfinden, würden eventuell vorgezogen.

Laura Krüger genügen die Vorkehrungen nicht, sie ist von der Prüfung zurückgetreten. Erik Richter hofft noch auf eine Nachholprüfung im Sommer mit direkt anschließendem Referendariat. „Alles andere würde mich zu viel Geld und Zeit kosten“, sagt er.