Durch die Einschränkungen wegen der Corona-Krise hat sich der  Autoverkehr spürbar reduziert. Sind deswegen auch die Luft in Sachsen-Anhalt besser geworden und die Feinstaubbelastung. gesunken? Die Feinstaubbelastung lag  in den vergangenen Wochen tatsächlich überwiegend auf sehr niedrigem Niveau. Gleiches gilt auch für die Belastung mit anderen Luftschadstoffen, wie beispielsweise Stickstoffdioxid. Nach Ansicht von Experten ist das aber nicht auf Corona-Effekte zurückzuführen. „Ursächlich dafür waren unter anderem die Witterungsbedingungen im Februar", so Ines Wahl, Sprecherin des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt.

Im Februar war es nämlich vergleichsweise mild, es hat viel geregt und es gab stürmischen Westwind - zum Beispiel Orkantief Sabine. „Dementsprechend herrschten sehr gute Austauschbedingungen, das heißt die Luftmassen wurden gut durchmischt und die Luftschadstoffkonzentrationen blieben allgemein sehr niedrig", so Wahl. An den Messstationen des Luftüberwachungssystems Sachsen-Anhalt wurden im Februar deshalb nur sehr wenige Überschreitungen des zulässigen Mittelwertes für Feinstaub-Partikel festgestellt. Die Überschreitungen hätten meist lokale Ursachen gehabt, wie beispielsweise an der Messstation am Magdeburger Schleinufer. Nahe der Station wurde eine Fassade saniert.

Hohe Feinstaubwerte im März

Mit der Umstellung der Großwetterlage habe sich die Situation im März vor allem  in der zweiten Monatshälfte deutlich geändert. „Ausbleibender Regen und steigende Temperaturen haben in Verbindung mit teils heftigem und böigem Wind einen ersten Anstieg der Trockenheit herbeigeführt. Zur Monatsmitte stieg die Feinstaubbelastung moderat an, ohne jedoch kritische Werte zu erreichen", so Wahl. In der vergangenen Woche habe sich das Bild jedoch geändert und es sei flächendeckend zu einem Anstieg der Feinstaubkonzentrationen gekommen. Aus Osteuropa gelangten bereits vorbelastete Luftmassen zu uns und führten an verkehrsbezogenen Hotspots, wie beispielsweise der Paracelsusstraße in Halle, zusammen mit der Belastung durch den immer noch vorhandenen Verkehr zu einer Überschreitung des zulässigen Tageswertes. „An besagter Station gleich an vier Tagen in Folge vom 25. bis 28. März". Die Feinstaubbelastung sei in ganz Sachsen-Anhalt am 27. und 28. März besonders hoch gewesen. Aktuell habe sich die Lage aufgrund des Wetterwechsels und des Zustroms polarer Kaltluft jedoch weitgehend entspannt.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es bislang deutlich weniger Überschreitungstage, aber das liege nach Ansicht der Experten vom Landesamt im Wesentlichen am Wetter. Mögliche „Corona-Effekte" durch weniger Verkehr  ließen sich bei der Vielzahl von Einflussfaktoren nur unter sehr großem Aufwand herausfiltern, zumal die harten Einschränkungen erst gut zwei Wochen gelten . Es sei allerdings zu vermuten, dass die Effekte größer werden, je länger der „Lockdown" anhält. „Dauerhaft weniger Straßenverkehr würde sich auf alle verkehrsbezogenen Luftschadstoffe auswirken und die Effekte müssten dann am ehesten an den verkehrsnahen Messstationen sichtbar werden", so Behördensprecherin Wahl.