Tests am Uniklinikum

Neu ist: Das Uniklinikum Magdeburg hat ein eigenes Fieberzentrum auf seinem Gelände eingerichtet. Dort gelten laut Leitung weniger strenge Voraussetzungen als in vielen Gesundheitsämtern (Reise in Risikogebiet oder Kontakt zu bestätigtem Fall + Symptome). Testen lassen können sich Patienten mit Symptomen, wie Fieber, Husten, Gliederschmerzen, sagte eine Sprecherin. Damit reagiere man auf die Ausbreitungsdynamik der Erkrankung. Laut Klinikum reichen die verfügbaren Test-Sets derzeit für vier Wochen, weitere sind nachbestellt. Im Idealfall seien etwa 1000 Tests pro Tag leistbar. (aw)

Magdeburg l Husten, Gliederschmerzen – Symptome wie diese sind üblicherweise kein Grund, sich übermäßig zu sorgen. Seit Corona ist das anders. Plötzlich steht immer auch die Frage im Raum: Ist es ein grippaler Infekt oder doch das Virus?

Nicht jeder bekommt schnell eine Antwort – auch weil Test-Sets fehlen und Laborkapazitäten begrenzt sind. Doch was bedeutet die Unsicherheit für einen selbst, was für den Umgang mit Familie, Freunden, Kollegen?

Bei mir begann es am vergangenen Donnerstag. Ich bekam trockenen Husten, war schnell außer Atem, am Abend kamen Gliederschmerzen hinzu. Am Freitagmorgen meldete ich mich in der Redaktion krank, rief in der Hausarztpraxis meines Stadtteils an. Schließlich hatte ich gelesen, dass man sich nicht einfach ins Wartezimmer setzen soll.

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Die Schwester am Telefon fragte meine Symptome ab. Als ich ihr sagte, ich hätte Husten und sei schnell außer Atem, wurde sie hellhörig. Eine halbe Stunde später rief die Ärztin zurück. „Rufen Sie bitte die Bereitschaft unter 116 117 an und fragen Sie nach einem Corona-Test.“ Sie selbst könne nicht testen, weil ihr Schutzmaterialien wie Masken oder Handschuhe fehlten. „Wenn sie keinen Abstrich machen, kommen Sie nach der Sprechstunde in die Praxis.“

Anruf bei der 116 117

Ich rief also die 116 117 an und kam tatsächlich rasch durch. Es folgte das Schema, das inzwischen fast jeder aus den Nachrichten kennt: „Waren Sie in einem Risikogebiet?“, fragte mich die Frau am anderen Ende. „Nein.“ „Hatten Sie Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall?“ „Nicht, dass ich wüsste“, sagte ich.

„Aber“, erklärte ich – mit ein wenig Hoffnung auf Abklärung: „Wir haben Volontäre, die zwei Wochen für ihre Ausbildung in München waren. Beide hatten danach heftigen Husten. Die junge Kollegin, die mir am PC direkt gegenüber sitzt, fiel plötzlich mit Fieber aus.“ „Wurde sie getestet?“, fragte die Stimme. „Nein“, sagte ich. „Weil München kein Risikogebiet ist.“ - Dass ihr Test mit dieser Begründung abgelehnt wurde, hatte mir die Kollegin zuvor geschrieben.

„Dann können wir Sie auch nicht testen“, sagte die Mitarbeiterin der 116 117. „Wir müssen uns auf die konzentrieren, die zur Zielgruppe gehören.“ Ich nahm das erstmal so hin. Nach allem, was ich wusste, hatte ich es nicht anders erwartet.

Um elf ging ich in die inzwischen menschenleere Praxis meiner Ärztin. Sie hörte meine Lunge ab und empfahl, zu Hause zu bleiben. Mehr könne sie nicht tun. Sollten die Symptome schlimmer werden, müsste ich sowieso in die Notaufnahme gehen. Abgesehen von einem mulmigen Gefühl konnte ich damit leben. Am Abend meldete sich allerdings ein Kollege. Er fragte, wie es mir gehe und ob ich einen Test gemacht hätte. Auch er hätte trockenen Husten und grippale Symptome, sagte er. Andere Kollegen schrieben: „Mach unbedingt den Test.“

Anruf im Gesundheitsamt

Als auch meine Familie erklärte, sie würde mich vorsichtshalber vorerst nicht treffen wollen, wurde mir doch mulmig. Meine Eltern sind über 60, in meinem Umfeld gibt es Personen, die zur Risikogruppe zählen. Ich entschied also, einen weiteren Anlauf zu unternehmen. Noch immer mit Husten und Gliederschmerzen rief ich am Montag das Gesundheitsamt Magdeburg an, berichtete von der Erkrankung der Volontäre und den Fragen der Kollegen. Doch auch das Amt – sowie später zwei Arztpraxen in meiner Heimatstadt – lehnten ab. Ich muss das so hinnehmen, obwohl es mir nur ganz allmählich besser geht. Ich sehe ein, Test-Sets sind begrenzt, die Auswertung ist aufwendig. Trotzdem wird es sich merkwürdig anfühlen, demnächst an den Arbeitsplatz zurückzukehren, als wäre da nichts zu klären.

Und es bleiben Fragen. Bin ich immun gegen Corona? Kann ich meinen Eltern oder anderen helfen, wenn sie betroffen sein sollten? Oder bin ich selbst über Wochen eine Gefahr?

Nicht zuletzt: Wie belastbar sind die Zahlen des Robert-Koch-Instituts, wenn für die Entscheidung über Tests auch bei bundesweit 10 000 bestätigten Fällen noch immer strenge Kriterien gelten? Sind die Vorgaben angesichts der Dynamik nicht überholt? Dienen sie nicht eher dazu ,den Mangel an Kapazitäten zu bemänteln?

Die „Süddeutsche Zeitung“ rechnete vor, man müsse schon jetzt von einer hohen Dunkelziffer Infizierter ausgehen – möglicherweise 100 000 bundesweit. Auf Nachfrage räumte das RKI eine Dunkelziffer ein. Quantitative Angaben könne man aber nicht machen. In Südkorea wird derweil laut „Spiegel“ flächenhaft getestet, so in landesweit 50 Drive-Ins, durchschnittlich 12 000 Fälle pro Tag. Ich habe beschlossen, Kontakte zu Familie und Freunden vorerst zu meiden – vorsichtshalber.