Magdeburg l Der Präsident des sachsen-anhaltischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Michael Schmidt, sagte Freitag der Volksstimme, dass ein Hotelier Anfang nächster Woche Klage gegen das Land einreichen werde. Ziel sei es, das Beherbergungsverbot zu kippen. Seit Sommer gilt in Sachsen-Anhalt die Regelung, dass Touristen und Urlauber aus Risikogebieten nicht in Hotels übernachten dürfen. Eine Ausnahme gilt für diejenigen, die einen negativen Corona-Test vorlegen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Die Unsicherheit bei Gästen und Hoteliers ist groß. Christian Schulz (Schulzens Hotel und Brauerei, Tangermünde) sagte gestern: „Wir hatten einen tollen Sommer, ganz gut lief es noch Anfang Oktober. Aber vor einer Woche ging es los mit Stornierungen. Selbst Buchungen, die noch Monate voraus liegen, werden abgesagt. Einmal pro Tag stellen wir auf unserer Hotel-Homepage die neuesten Gebiete ein, aus denen wir keine Gäste empfangen dürfen. Aber seit Hotspots vor Gericht ziehen, findet sich kaum noch jemand durch.“

Tobias Bartholomäus (Art Hotel, Magdeburg): „In den letzten fünf Tagen sind die Buchungen wieder merklich zurückgegangen. Nach dem Lockdown haben wir von ganz unten angefangen, sind aber noch lange nicht wieder im grünen Bereich. Wir versuchen, bei Buchungsanfragen so viel wie möglich über den Gast zu erfahren, um gegebenenfalls abzusagen, wenn er aus einem Hotspot kommt. Die meisten haben Verständnis. Aber einige sagen auch: Wir kommen trotzdem und versuchen es bei einem anderen Hotel.“

Christian Wieland (Hotel „Weißer Hirsch“, Wernigerode): „Wir schauen jeden Morgen auf die Corona-Landkarte. Wir führen sehr viele Telefonate mit Urlaubern, die nicht wissen, wo sie noch hinkönnen. Die Menschen sind verunsichert. Wenn es so bleibt, oder sich die Situation verschärft, sieht es zum Monatsende düster aus.“

Ein bundesweiter Flickenteppich

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verteidigte erneut das Verbot. Man dürfe nicht riskieren, Menschen aus den Hotspots anzulocken und einen Ausbruch hier zu riskieren, bekräftigte der Regierungschef gestern. Sachsen-Anhalt sei bereit, am 8. November mit Bund und Ländern über eine gemeinsame Regelung zu verhandeln. „Wenn es keine bundeseinheitliche Regelung gibt, bleiben wir dabei.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet indes in Bälde mit einem fast bundesweiten Ende der Beherbergungsverbote.

In Sachen Beherbergungsverbotes ist Deutschland ein Flickenteppich. Länder wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Schleswig-Holstein verfolgen eine sehr strenge Linie. In Berlin etwa gibt es keine Einschränkungen. In Baden-Württemberg und Niedersachsen kippten Gerichte die Beherbergungsverbote. Sachsen und Bayern heben ab dem heutigen Samstag das Verbot auf. Seite 5