Magdeburg l Sachsen-Anhalt wird dem Personal seiner Schulen, Horte und Kitas nach dem Jahreswechsel zentral und kostenlos Corona-Antigen-Schnelltests anbieten.

● Termine für die Testungen sind der 7. und 8. Januar, sagte Stefan Thurmann, Sprecher des Bildungsministeriums gestern. Beide Tage sind unterrichtsfrei. Lehrer und Erzieher sollen sich dabei selbst testen. Die Testung sei freiwillig, ergänzte der Sprecher. Ziel ist es, zum Schulstart nach den Feiertagen einen Überblick über das Infektionsgeschehen zu bekommen.

● Die Test-Sets werden vom Land zentral bestellt, bezahlt und verteilt. Allein im schulischen Bereich könnten je nach Interesse bis zu 25 000 Personen das Angebot in Anspruch nehmen, hieß es. In den Horten kämen noch einmal bis zu 3500 Erzieherinnen dazu.

● Offen ist noch die Frage, wo genau die Tests vorgenommen werden sollen und inwieweit das Personal vor der Anwendung geschult werden muss: „Wir hoffen da auf Erfahrungen aus Hessen zurückgreifen zu können“, sagte Ute Albersmann, Sprecherin im Sozialministerium. In Hessen hatte es ein Pilotprojekt zur Testung von Lehrern gegeben.

Das genaue Vorgehen will die Landesregierung in Magdeburg bis zum Beginn der Weihnachtsferien festgelegt haben. Das Bildungsministerium kündigte gestern einen Brief an die Leitungen aller 940 Schulen an. Testungen von Schülern oder Kita-Kindern sind im Paket bisher nicht vorgesehen. „Es geht zunächst ums Personal“, sagte Stefan Thurmann. Zudem ist die Testung vorerst einmalig.

● Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßte die Ankündigung: „Als Präventionsmaßnahme ist das sicher gut“, sagte Landeschefin Eva Gerth. „Allerdings wäre es wichtig, dem Schulpersonal regelmäßig die Möglichkeit zu Testungen zu geben“, ergänzte sie.

Tests allein genügten zudem nicht: „Wir fordern dort, wo es notwendig ist, Luftfilter-Geräte aufzustellen und die Teilung von Klassen in kleinere Lerngruppen“, sagte Gerth.

Einen Offenen Brief mit ähnlichen Forderungen hatte die Gewerkschaft in dieser Woche bereits Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) geschrieben. Bildungsminister Marco Tullner hatte beim Thema Luftfilter zuletzt auf widersprüchliche Expertenaussagen zur Wirksamkeit der Geräte verwiesen.

Mit Blick auf den fürs Lernen wichtigen sozialen Kontext sei es zudem Ziel, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten, ergänzte der CDU-Politiker.

● Möglich werden die Schnelltests jetzt durch eine Neuregelung auf Bundesebene in der sogenannten „Medizinprodukte-Betreiberverordnung“. Formal bereits seit heute können demnach auch Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kitas eigenständig Corona-Tests beziehen und vom eigenen Personal anwenden lassen. Bislang war das Ärzten sowie medizinischem Personal in Praxen, Heimen oder Kliniken vorbehalten.

Ergänzend zu den Schnelltests will das Bildungsministerium dafür sorgen, dass Schulpersonal nach Zulassung eines Impfstoffs vorrangig Impfungen in Anspruch nehmen kann. Eine entsprechende Formulierung schaffte es auf Initiative Tullners in eine Beschlussvorlage der Kultusministerkonferenz.

Das Infektionsgeschehen an Sachsen-Anhalts Schulen hatte, Stand vergangenen Freitag, im Vergleich zur Vorwoche leicht abgenommen, blieb aber auf hohem Niveau. Insgesamt standen am 27. November landesweit 5454 Schüler unter coronabedingter Quarantäne (2,23 Prozent). Unter den Lehrkräften waren 410 Personen betroffen. Acht der 941 Schulen waren pandemiebedingt komplett geschlossen, in 55 Einrichtungen verhängten die Gesundheitsämter Teilschließungen. Das Land meldet die Zahlen zentral jeweils freitags.