Magdeburg l Deutscher Fernsehfunk, dann Fernsehen der DDR, wieder Fernsehfunk und schließlich die DFF-Länderkette. Mit den Zeiten wechselten die Bezeichnungen des TV-Kanals in Berlin-Adlershof, der die DDR bespielte. Sendebeginn war der 3. Januar 1956, los ging es aber vier Jahre früher. Am 21. Dezember 1952 – vier Tage vor dem TV-Start in Westdeutschland – nahm das Fernsehzentrum in Adlershof seinen Testbetrieb auf. Gewidmet dem 74. Geburtstag von Sowjetführer Josef Stalin.

Die SED-Führung hatte schnell erkannt, welche propagandistische Wirkung das neue Medium bieten konnte. Die Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ gehörte schon zum Testprogramm. Erst später wurde sie aber zum direkten Sprachrohr des Politbüros, Generalsekretär Hecker gab schon mal persönlich Anweisungen zum Sendeablauf, in dem seine Tagesaktivitäten entsprechende Würdigung fanden. Im Programm fanden sich zudem regelmäßig Demonstrationen, Manifestationen und Paraden.

Creme der Schauspieler versammelt

Die ideologische Indoktrination der Zuschauer versuchten die Fernsehmacher in Adlershof anderweitig zu kompensieren. Herausragend ist dabei die Fernsehdramatik. In „Krupp und Krause“, „Wege übers Land“ oder „Daniel Druskat“, die auch noch heute laufen, spielte die Creme der DDR-Schauspielerzunft. Dass Hauptdarsteller wie Manfred Krug und Hilmar Thate sich später in Richtung Westen verabschieden, zeigt das Spannungsfeld, in dem sich der Fernsehfunk bewegte.

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Eine echte Pioniertat war die Erfindung von Abendgruß mit Sandmännchen 1959. Die bärtige Puppe überstand selbst den Umbruch 1989 und stapft bis heute über die Mattscheibe. Der kleine Mann war auch ein erfolgreicher Exportartikel: Er grüßte die Kinder in Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen als „John Blund“. Zu sehen war er vom Jemen über Angola, Mauritius, Sri Lanka, Vietnam bis in die Mongolei.

Bei den Erwachsenen sollte im DDR-Fernsehen die gute Laune nicht zu kurz kommen. Zu diesem Zweck wurde jede Menge Unterhaltung ausgestrahlt. Flaggschiff war „Ein Kessel Buntes“ am Sonnabenda mit unüblichem Star-Aufgebot. Immer dabei: westliche Bands und Schlagerbarden. Regionalen Touch hatten „Oberhofer Bauernmarkt“ oder „Klock 8, achtern Strom“ aus Rostock. Was zum Mitschunkeln und Wohlfühlen.

Im Gründungsjahr des Fernsehfunks 1956 holten erstmals DDR-Sportler bei Olympia Medaillen. Der Sport wurde mehr und mehr zu einem Identifikationsfaktor mit dem Land ausbaut. Friedensfahrt, Olympia, Weltmeisterschaften – von fast überall, wo die DDR dabei war, gab es Fernsehberichte.

Werbung verschwand vom Bildschirm

In der sonstigen Mangelwirtschaft brauchte es eigentlich keine Reklame. Dennoch gab es Werbefernsehen. Bis 1976 liefen die allseits beliebten „Tausend Tele-Tips“. Sie wurden eingestellt. Weil es nicht mehr viel gab, was zu bewerben staatlich erlaubt war.

Fernsehen kostet schon damals etwas: In den 1960er Jahren waren zwei DDR-Mark für den Rundfunk sowie etwa zehn DDR-Mark für die beiden Fernsehprogramme fällig. Den Gebühreneinzug besorgte der Postzeitungsvertrieb.