Magdeburg (epd) l 30 Jahre nach der friedlichen Revolution ist in Sachsen-Anhalt die Zahl der Anträge auf persönliche Akteneinsicht in Stasi-Unterlagen deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr seien in den beiden Außenstellen des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Magdeburg und Halle insgesamt 7.057 Akteneinsichtsanträge registriert worden, darunter 4.005 Erstanträge, teilte die Beauftragte des Landes zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, am Dienstag in Magdeburg mit.

 

 

Im Vorjahr waren es noch 5.729 Anträge auf Akteneinsicht, darunter 3.042 Erstanträge.
Der Anstieg sei auf das Jubiläum "30 Jahre friedliche Revolution" und die damit verbundenen zahlreichen Veranstaltungen und Zeitzeugengespräche zurückzuführen, so Neumann-Becker. Das Thema Aufarbeitung der SED-Diktatur sei damit auch noch einmal stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Ihre Behörde führte den Angaben zufolge im vergangenen Jahr etwa 2.500 persönliche Beratungen durch und beantwortete 2.200 telefonische Anfragen, auch deutlich mehr als in den Vorjahren.

Die Zahl der strafrechtlichen Rehabilitierungsanträge in Sachsen-Anhalt sei mit mehr als 300 Anträgen pro Jahr weiter stabil und steige leicht an, teilte Neumann-Becker weiter mit. Seit 1992 wurden in Sachsen-Anhalt insgesamt mehr als 37.200 solcher Anträge gestellt. Im Jahr 2019 bezogen 7.568 politische Haftopfer die sogenannte Opferpension. Die Rehabilitierungsgesetze wurden im November 2019 entfristet und verbessert. Daher werde auch für dieses Jahr mit einem Aufwuchs bei den Anträgen gerechnet.