Magdeburg l In den ländlichen Kreisen in Deutschland steigt das durchschnittliche Alter weiter an. Bedeutend langsamer schreitet der demografische Wandel hingegen in kreisfreien Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern voran. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. „Durch die hohe Außen- und Binnenwanderung altern die Großstädte vorübergehend nicht weiter“, sagt IW-Ökonom Ralph Henger. „Die Kehrseite der Medaille ist, dass der ländliche Raum schneller schrumpft und altert.“

Laut Studie stieg in den ländlichen Kreisen das durchschnittliche Alter zwischen 1995 und 2017 von 39,5 auf 44,8 Jahre. In Sachsen-Anhalt kletterte das durchschnittliche Alter in diesem Zeitraum von 40,4 auf 47,6 Jahre. Die jüngsten Städte sind Halle (44,4) und Magdeburg (45). Der Altersdurchschnitt in den beiden größten Städten steigt nicht so schnell wie in den ländlichen Regionen Sachsen-Anhalts.

Insgesamt stellten die Autoren der Studie ein Ost-West-Gefälle fest. Die zehn ältesten Regionen (49,1 bis 50,3 Jahre) befinden sich in Ostdeutschland. Ausnahmslos in Westdeutschland liegen die zehn jüngsten Regionen mit Altersdurchschnitten von 40,1 bis 41,1 Jahren. So sank etwa in Frankfurt am Main das mittlere Bevölkerungsalter besonders deutlich von 41,3 auf 40,6 Jahre.

Konsequenzen für Wirtschaftsentwicklung

Den höchsten Altersdurchschnitt hat die thüringische Kleinstadt Suhl. Deren Einwohner sind im Schnitt 50,3 Jahre alt. Damit liegt Suhl sechs Jahre über dem Bundesdurchschnitt – und ist die am schnellsten alternde Gemeinde bundesweit.

Zu den ältesten Regionen gehören auch drei aus Sachsen-Anhalt. Besonders hoch ist das Durchschnittsalter in der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau (49,9), im Landkreis Mansfeld-Südharz, und im Landkreis Wittenberg (49,4). Diese Regionen teilen nach Ansicht der Autoren der Studie das „Los vieler ländlicher Regionen, die kontinuierlich altern und schrumpfen“. Besonders im Osten verdeutliche das den Handlungsbedarf, erklärten die IW-Wissenschaftler.

So habe das Auseinandergehen von Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur weitreichende Konsequenzen für die Daseinsvorsorge, für die öffentliche Infrastruktur und die regionale Wirtschaftsentwicklung. Die Studien-Autoren weisen darauf hin, dass im Zuge der demografischen Entwicklung der Bedarf von Mitarbeitern im Gesundheitswesen und in der Pflege zukünftig steigen würden.

Regionalpolitik gefordert

Zu erwarten seien zudem Auswirkungen auf die Sicherung von Fachkräften zum Erhalt der regionalen Wettbewerbsfähigkeit. Gefordert sei hier die Regionalpolitik, die fallbezogene Antworten finden müsse, heißt es in der IW-Studie.

Bei den meisten deutschen Großstädten konstatiert die Studie eine andere Entwicklung. Sie altern trotz des generellen Alterungstrends in Deutschland zumindest vorübergehend noch nicht. Die Entwicklung zeigt sich demnach vor allem in mittelgroßen Städten mit Hochschulen wie Heidelberg oder Münster. Städte, die gleich jung bleiben oder sogar jünger werden – dafür führen die Autoren zwei Gründe an: Zum einen entschieden sich jüngere ausländische Zuwanderer häufig für ein städtisches Leben. Zudem ziehen junge Deutsche in die Stadt, wenn sie etwa studieren oder einen neuen Job beginnen. Auch deshalb liegt das Durchschnittsalter in Halle und Magdeburg vergleichsweise niedriger als im Rest Sachsen-Anhalts.

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den ältesten Gesellschaften. Ende 2017 betrug der Anteil der Menschen im Rentenalter nach laut Statistischem Bundesamt 21,4 Prozent. Höher ist der Anteil in Italien (22,3 Prozent) und Griechenland (21,5 Prozent). Für die IW-Studie untersuchten die Wissenschaftler die Entwicklungen in 71 kreisfreien Großstädten und 330 Kreisen.