Magdeburg l Claudia Dalbert nutzt derzeit noch das Auto ihres Vorgängers: einen 7er BMW. So ein Dickschiff (265 PS) passt freilich nicht ins Bild einer Grünen. Dalbert will daher abrüsten. Ihr Wunschwagen: ein Audi A 3. Von der Oberklasse zum Kompaktwagen - das wäre ein Novum. In so einem knuffigen Auto ist seit 1990 noch nie ein Minister aus Sachsen-Anhalts Regierungsriege vorgefahren. Die Neue zeigt, was beim Klimaschutz möglich ist. Doch so einfach läuft das nicht in ihrem Ministerium. Wie man hört, bekam sie jetzt Gegenwind. Von ihrem Abteilungsleiter Klaus Dieter Liebau - der Spitzenbeamte ist zuständig fürs Organisatorische und eben auch für den Fuhrpark.

Grund des Zoffs: Die Ministerin will nicht irgendein kleines Auto, sie wünscht einen Hybrid. Einen Audi A 3 e-tron. Der fährt mit Benzin- und Eletromotor. Diese Kombination gilt als der neueste ökologische Schrei. Das Problem: Der Strom reicht nur für 40 oder 50 Kilometer, dann braucht auch ein Hybrid wieder Sprit. Umso mehr, je mehr Langstrecke anfällt. Und das ist bei Ministern meist der Fall. Auch bei Claudia Dalbert.

Zug ist keine Alternative

Die Ministerin wohnt in Halle, das Ministerium steht in Magdeburg. Jeden Werktag startet der Fahrer in der Landeshauptstadt und holt die Chefin in Halle ab. Abends geht es retour. Da kommen allein schon etwa 400 Kilometer zusammen - am Tag. Hinzu kommen Dienstfahrten zu Terminen. In einer der Chefrunden des Ministeriums war der zuständige Abteilungsleiter denn auch alles andere als zurückhaltend. Er setzte seine Chefin erstmal ins Bild: Der Hybrid kostet deutlich mehr Geld, spart aber kaum Abgase. Umweltschutz für die Showbühne also. Die Ministerin möge – wenn sie denn schon etwas für die Umwelt tun will – doch mit dem Zug zum Dienst fahren.

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Dann soll es laut geworden sein. Jedem Minister steht es zu, mit dem Dienstwagen abgeholt zu werden. So steht es in der Dienstwagenverordnung. Claudia Dalbert hat auch nicht vor, bei der Fahrt nach Magdeburg auf den Zug umzusteigen – sagt sie der Volksstimme. „Ich nutze wie alle Ministerinnen und Minister das Auto auch als mobiles Büro.“

Das stimmt. Allerdings stimmt es auch, dass ein Hybrid eine teure Anschaffung ist. Der A 3 e-tron etwa kostet laut Liste 37.900 Euro - ohne Ex-tras versteht sich. Nun gibt es neuerdings für PlugIn-Hybride (also Autos mit Ladestecker) 3000 Euro Förderung. Im Vergleich zur reinen Benzinvariante sind das aber immer noch etwa 9 000 Euro mehr. Unter optimalen Bedingungen liegen beim e-tron die Kosten für Sprit und Strom bei etwa 5,50 Euro je 100 Kilometer. Der vergleichbare Benziner braucht 5 Liter Sprit, kommt also auf etwa 6,50 Euro. Da müsste man schon 900.000 Kilometer fahren, um die Mehrkosten auszugleichen. Was utopisch ist.

Es geht nicht ums Geld

Einerseits. Andererseits stünde Claudia Dalbert eine Oberklasse zu - in ihrem Falle etwa ein Audi A 8. Den gibt es laut Liste ab 82. 800 Euro (Landesregierungen bekommen saftige Rabatte) – allein der Wechsel von der Ober- auf die Kompaktklasse spart etliche Tausender.

Aber es geht ja nicht nur ums Geld. Es geht ums Klima. Also um Kohlendioxid. Die Deutsche Umwelthilfe vergleicht daher jährlich Minister-Autos. Jene, die wenig Klimagas rauspusten, werden mit einer „Grünen Karte“ belobigt. Sachsen-Anhalt war da selten dabei.

Ganz vorn standen meist Autos mit sparsamem Diesel - wie etwa das von Bremens grünem Umweltsenator Joachim Lohse (Mercedes E-Klasse) oder von Thüringens grüner Umweltministerin Anja Siegesmund (Audi A 6). Auf der Langstrecke war der Selbstzünder immer eine Empfehlung.

Das Wertesystem ist durcheinander

Doch seit dem Diesel-Skandal um geschummelte Abgaswerte ist das ökologisch-moralische Wertesystem durcheinandergeraten. Die einst Klassenbesten bekamen dieses Jahr von der Umwelthilfe statt einer grünen Karte ein rotes Ausrufezeichen. „Achtung! Diesel!“

Nun geht es nicht mehr allein ums Kohlendioxid. Jetzt rückt ein anderes Abgas verstärkt in den Fokus: Die Stickoxide – die vor allem Auspuffs von Dieselfahrzeugen verlassen. Benziner, lang verpönt, kommen nun unverhofft zu ökologischen Weihen. Vor allem, wenn sie mit Elektromotoren kombiniert werden.

Benzin-Elektro-Hybrid ist hipp

Benzin-Elektro-Hybrid, das ist jetzt öko, das ist hipp. Hat es sich ausgedieselt? Noch nicht flächendeckend. Thüringens Ministerin Siegesmund bleibt beim Diesel. „Wir vertrauen dem Hersteller, dass er uns nicht übers Ohr gehauen hat“, sagt ihr Sprecher.

Auch der ADAC hat den Diesel nicht abgeschrieben, wenn die Abgase mit Harnstoff gereinigt werden. „Der Hybrid ist gut für Leute mit häufigen Stadtfahrten – auf langen Strecken aber muss der Benzinmotor den Elektromotor mitschleppen“, erklärt ein Experte der Volksstimme. Der Hybrid wiegt immerhin 300 Kilo mehr.

Hamburgs grüner Umweltsenator Jens Kerstan ist da energischer. „Ich kann allen Bürgern nur davon abraten, ein Dieselfahrzeug zu kaufen“, sagte er vor wenigen Tagen dem Radiosender NDR. In einigen Jahren – wenn die Grenzwerte weiter verschärft werden – könnten Selbstzünder nicht mehr in jede Großstadt reinkommen. Ganz so rigoros formuliert es Claudia Dalbert nicht. Aber sie rät: Es sollte jeder beim Autokauf bedenken, dass Stickoxide eine Gesundheitsgefahr sind.

Claudia Dalberts Wunschwagen wurde noch nicht angeschafft. Ihr Haus wurde aber in die Spur geschickt, einen klimafreundlichen Fuhrpark aufzubauen. Der Wechsel des Minister-Autos erfolge bald. „Sobald ich weiß, welches das sein wird, werde ich es Ihnen mitteilen.“