Gesundheit

Dürfen Homosexuelle künftig einfacher Blut spenden?

Eine Arbeitsgruppe rund um das Robert-Koch-Institut und das Bundesgesundheitsministerium fordert, Hürden fallen zu lassen, die es homo- und bisexuellen Männern erschweren Blut zu spenden. Bisher galten für sie strenge Regelungen.

Von Nico Esche
Werden bald Hürden fallen, die es homo- und bisexuellen Männern bislang erschwerten Blut zu spenden? 
Werden bald Hürden fallen, die es homo- und bisexuellen Männern bislang erschwerten Blut zu spenden?  Symbolfoto: Arno Burgi/dpa

Berlin - Homosexuelle Männer sollen künftig einfacher Blut spenden dürfen. Das geht aus einer Anfrage des Internetmagazins watson.de an das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hervor.

Demnach sollen Beschränkungen fallen, die es homosexuellen und bisexuellen Männern bislang erschwerten Blut spenden zu dürfen. Diese Entscheidung empfiehlt eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des "Arbeitskreis Blut", des Paul-Ehrlich-Instituts, des Robert-Koch-Instituts und des BMG.

Ändern des Status quo

Aktuell ist es homo- und bisexuellen Männern nach dem Transfusionsgesetz nur möglich Blut zu spenden, wenn sie zwölf Monate zuvor keinen Sex hatten - ganz gleich, ob sie wechselnde Partner haben oder in einer festen Beziehung leben.

Die von der Arbeitsgruppe empfohlenen Erleichterungen im Detail: 

  • Schwule- oder bisexuelle Männer in Partnerschaften sollen Blut spenden dürfen, sofern sie seit mindestens vier Monaten mit niemand anderen als ihrem Partner Sex hatten.
  • Außerhalb einer Partnerschaft müssen nur noch vier Monate abstinent gelebt werden, statt zuvor zwölf.

Diese vier Monate "Rückstellfrist", wie sie auch genannt wird, soll laut Arbeitsgruppe für monogam lebende Paare sogar vollständig wegfallen, bestätigt das BGM watson.de.

Aber: Die Arbeitsgruppe sieht auch weiterhin eine Notwendigkeit, Personen vom Blut spenden auszuschließen - wenn sie einem "sexuellen Risikoverhalten" nachkommen. So heißt es: "Nach Beendigung des Risikoverhaltens ist eine Zulassung zur Spende [...] möglich". Nach angesprochenen zwölf, beziehungsweise vier Monaten "Rückstellfrist".

Landesverband bleibt skeptisch

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in Sachsen-Anhalt steht dieser Entwicklung noch skeptisch gegenüber. LSVD-Mitglied der Landeskoordinierungsstelle Sachsen-Anhalt Nord, Mathias Fangohr, sagt: "Zunächst handelt es sich lediglich um die Empfehlung einer Arbeitsgruppe, nicht um eine Entscheidung. Sollte die Entscheidung tatsächlich kommen, ist das aber nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Denn ein viel größerer Schritt ist notwendig."

Ob eine Zustimmung erfolgt und somit eine Gesetzesänderung, steht nämlich noch lange nicht fest. Ebenso wenig wann die Beschränkungen fallen sollen.

Nach Mathias Fangohr sollte der Zugang zu Blutspenden vom Grundsatz her auch für schwule und bisexuelle Männer sowie für "Trans*Personen" erfolgen können. Fangohr: "Wir brauchen gleiche Kriterien für alle sexuellen und geschlechtlichen Identitäten. Hier ist aktuell noch nicht erkennbar, ob dies angestrebt wird, oder Homosexualität trotz Lockerungen weiterhin ein Risikofaktor bleibt."

Dass homo- und bisexuelle Männer von Blutspenden ausgeschlossen werden, geht auf das Transfusionsgesetz von 1998 zurück. Aufbauend aus den Erfahrungen der Aids-Pandemie der 1980er Jahre, in denen sich viele Homosexuelle mit HIV infiziert haben und künftig als Risikogruppe zählten. Das Virus kann durch Bluttransfusionen übertragen werden. Später wurde das Gesetz geändert und die "Rückstellfrist" eingeführt.

Wie wichtig es ist Blut zu spenden, zeigt eine Statistik des DRK. So sei jeder Bundesbürger in seinem Leben mindestens einmal auf das Blut anderer angewiesen.