Theater in der Grünen Zitadelle zeigt Stephen Kings "Misery" Ein Psychothriller wie aus dem (Lehr-)Buch oder Warum der Fuß dran bleibt
Magdeburg. Drohend wie ein nahender Sturm steht sie über ihm, beide Hände sind zu Fäusten geballt. "Sie dreckiger Mistkerl! Sie darf nicht tot sein! Misery Chastain darf nicht tot sein!". Mit dieser Szene aus der Verfilmung zu Stephen Kings "Misery" beginnt das spannende Psychoduell zwischen Paul Sheldon und Anni Wilkes. Genau dort setzt die Inszenierung des Theaters in der Grünen Zitadelle in Magdeburg an.
"Was das Stück besonders ausmacht, ist diese Doppelbödigkeit, die auf der Bühne viel schwerer zu inszenieren ist als im Film. Aber ich wollte diese Rolle schon immer einmal spielen. Anni ist eine sehr einsame Frau und klammert sich verzweifelt an Misery", beschreibt die Schauspielerin Ursula Staack ihre Rolle. Man müsse sich anderer Mittel auf der Bühne bedienen, da man nur zu zweit sei, keine Schnitte machen könne und auch keine unterschiedlichen Kamerawinkel habe.
Dennoch trägt die Reduktion auf zwei Darsteller sehr zur Steigerung der Spannung bei. Der Zuschauer ist nicht nur physisch, sondern auch emotional viel näher an Anni und Paul dran. "Es ist ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel und die Enge der Bühne passt perfekt zum Stück", empfindet Christoph Schobesberger, der den Buchautor Paul Sheldon spielt. Er selber sei großer King-Fan und bewundere dessen literarische Psychostudien, "wie weit man einen Menschen erniedrigen kann".
Annie zwingt Sheldon im Roman dazu, das Manuskript zu verbrennen und die Geschichte nach ihren Vorstellungen umzuschreiben. Genötigt und physisch zum Bleiben gezwungen, setzt sich der Autor an die Arbeit zur Auferstehung Miserys. "Aber die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Er fügt sich zwar der Situation, aber er gibt seinen Fluchtgedanken nie auf", betont Schobesberger.
Zweieinhalb Wochen hatten die beiden Darsteller Zeit, sich auf der Bühne im Theater in der Grünen Zitadelle auf das Stück vorzubereiten und die Inszenierung zu proben. Wesentlich länger war die Vorlaufzeit, um den Text zu verinnerlichen und stellenweise "mundgerecht" umzuschreiben – was kein leichtes Unterfangen war. "Wir haben vier Wochen an dem Manuskript für die Dialoge gearbeitet, weil die deutsche Übersetzung einfach grauenhaft ist", meint Staack und Schobesberger stimmt zu: "Es ist textlich zu umständlich und überbetont. So spricht kein Mensch." Deshalb wird das Magdeburger Publikum in den Genuss ohrenfreundlicher Dialoge kommen.
Doch wie kommt Stephen King, oder besser gesagt "Misery", auf die Bühne der Landeshauptstadt? Regisseur Wolfgang-David Sebastian erklärt: "Mein Ziel war es, einen Krimi zu inszenieren. Und nachdem ich das Skript zu \'Misery\' gelesen hatte, hat es mich gepackt." Sebastian blieb dabei, bis auf geringe Änderungen, inhaltlich auch am Originalskript.
Lediglich die Szene, in der Sheldons Fuß von Anni abgehackt wird, habe er gestrichen und nach der Romanvorlage umgeschrieben. Hier bricht sie ihm beide Füße. Ursula Staack ist in ihrer Rolle als Anni ohnehin nicht zimperlich und bringt ihre Wutausbrüche authentisch auf die Bühne. "Ich hatte bereits eine bestimmte Vorstellung im Kopf, als ich das Skript las, und Ursula Staack kam mir in der Rolle der Anni Wilkes sofort in den Sinn. Christoph Schobesberger bekam aber nach einer Auswahl aus mehreren möglichen Kandidaten dann die Rolle. Beide Schauspieler agieren zusammen auf der Bühne wunderbar", meint der Regisseur.
Das Stück ist vom Donnerstag, 17. November bis Sonnabend, 19. November im Theater in der Grünen Zitadelle jeweils ab 20 Uhr zu sehen. Informationen gibt es telefonisch unter (0391) 59 75 04 90 und im Internet: www.theater-zitadelle.de.