Magdeburg (dpa) l Karnevalisten und ihre Büttenreden tragen aus Sicht von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff viel zu mehr Gelassenheit in Politik und Gesellschaft bei. Mit ihrer Reflexion des politischen Geschehens sorgten sie dafür, dass die Menschen „nicht alles so bierernst nehmen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntag.

Rund 120 Karnevalisten aus 22 Vereinen waren auf Einladung des Regierungschefs in die Magdeburger Staatskanzlei gekommen. Der Empfang soll traditionell zu Beginn des Jahres das Engagement bei der Brauchtumspflege würdigen.

Karnevalisten bringen Auflockerung

Haseloff sagte bei dem Empfang, der Sachsen-Anhalter sei ganz schwer glücklich zu machen. „Das Meckern gehört manchmal dazu.“ Deshalb sei es gut, dass Karnevalisten durch ihre auch zuweilen überspitzte Darstellung des politischen Geschehens Auflockerung brächten. „Wir liefern ja auch ausreichend Ideen“, scherzte Haseloff.

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In Sachsen-Anhalt bedeutet Karneval zunehmend Party feiern. Brauchtum, wie die gereimte Büttenrede und Kritik an der großen Politik verschwinden zunehmend aus den Veranstaltungen. „Die klassische Büttenrede, die wir vor 10 bis 15 Jahren noch in Reimform hatten, gibt es leider immer weniger“, sagte der Präsident des Karneval Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Dirk Vater. „Es geht immer mehr in Richtung einer Aneinanderreihung von Sketchen und Witzen. Das ist schade, aber der Karnevals-Landschaft geschuldet.“ Mit zentralen, jährlichen Büttenwerkstätten soll der Entwicklung entgegen gewirkt werden.

190 Verein aktiv

Im Karneval-Landesverband sind derzeit 190 Vereine mit rund 17.600 Aktiven organisiert. Die Zahl der Karnevalvereine ist im Land leicht rückläufig. Vor einem Jahr zählte der Landesverband noch 195 Vereine und 100 Mitglieder mehr.

Eine klassische Karnevalshochburg, wo jährlich große Rosenmontagsumzüge organisiert werden, ist die Stadt Köthen („Kukakö“). Aber zum Beispiel auch in Salzwedel, Seehausen, Steckby und Aschersleben gibt es viele aktive Karnevalsvereine.