Magdeburg (dpa) l Seit fast sechs Wochen müssen die Sachsen-Anhalter mit strengen Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Einrichtungen, Geschäften und Freizeitmöglichkeiten leben – jetzt machen die Schulen sowie Zoos und Botanische Gärten zumindest ein bisschen wieder auf. Gleichzeitig müssen die Sachsen-Anhalter von Donnerstag an daran denken, einen Mundschutz zum Einkaufen und Bus und Bahnfahren mitzunehmen. Mit dem Datumswechsel um Mitternacht tritt die neue Mundschutzpflicht des Landes in Kraft.

Wer zur Eindämmung des Coronavirus Mund und Nase nicht bedeckt, muss damit rechnen, vom Einkaufen sowie Bus- und Bahnfahren ausgeschlossen zu werden. Bußgelder sind zunächst nicht vorgesehen. Der Mundschutz soll das Risiko minimieren, versehentlich andere per Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus zu infizieren.

In Sachsen-Anhalt gelten seit Mitte März strenge Ausgehbeschränkungen und Schließungsanordnungen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Neben Kitas und Schulen sind Hotels und Gastronomie ebenso geschlossen wie fast alle Freizeit- und Kulturmöglichkeiten sowie größere Läden und Geschäfte.

Von Donnerstag an ermöglicht das Land eine neue Ausnahme: Mehrere Zoologische Gärten und Tierparks von der Möglichkeit Gebrauch machen, wieder für Besucher zu öffnen. Das kündigten unter anderem die Zoos in Magdeburg, Halle, Köthen, Dessau-Roßlau oder Halberstadt an. Allerdings sind nur die Freianlagen nutzbar und es gibt Zugangsbeschränkungen. Streichelgehege und begehbare Tierhäuser bleiben geschlossen.

Vorbereitungen werden getroffen

Von Donnerstagmorgen an öffnen die Schulen in Sachsen-Anhalt für jene Jugendlichen, die in den nächsten Wochen ihren Abschluss machen. Mehr als 10.000 Abiturienten, Realschulprüflinge sowie Berufsschüler im letzten Jahr sollen so die Möglichkeit bekommen, sich im direkten Austausch mit ihren Lehrerinnen und Lehrern auf die wichtigen Tests vorzubereiten. Land, Kommunen und Schulen haben sich vorbereitet, um die geltenden Abstands- und Hygieneregeln umsetzen zu können.

Eine Mundschutzpflicht gelte in den Klassenräumen nicht, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Alle Beteiligten seien sich ihrer Verantwortung den Schülern und Lehrkräften gegenüber bewusst und würden die Schutzmaßnahmen einhalten. Die Sorgen würden ernst genommen. Lehrkräfte und Schüler, die wegen Vorerkrankungen ein Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken, sollen sich das laut Tullner ärztlich bescheinigen lassen. Dann werde eine Lösung für jeden Einzelfall gesucht.

Eltern hatten sich skeptisch über den Plan Tullners geäußert, jetzt schon stufenweise die Schulen wieder zu öffnen. "Die Stimmung ist sehr aufgeladen", berichtet der Vorsitzende des Landeselternrates, Matthias Rose. "Da gibt es große Sorgen um eine Infektion der Schüler, deren Weitergabe in der Familie und da gibt es auch regelrechte Wut darüber, dass man die Schüler als Kanonenfutter sieht, das man verheizen kann." Unzureichende Schutzmaßnahmen stünden dabei ebenso in der Kritik wie unzureichende Prüfungsvorbereitungen.