Weißenfels (dpa) l Fast zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines Babys in Weißenfels (Burgenlandkreis) ziehen sich die Ermittlungen in die Länge. "Eine hohe Zahl an Frauen hat den zweiten Reihen-Gentest verweigert", sagte Jürgen Neufang von der Staatsanwaltschaft in Naumburg der Deutschen Presse-Agentur. Eigentlich wollten die Ermittler bis Ende vergangenen Jahres mehr als 2000 Frauen einer Speichelprobe unterziehen und die Ergebnisse auswerten. Die Ermittler hofften so auf eine Spur zur Mutter des toten Babys. Doch noch immer wurden nicht alle Frauen getestet. Ein erster Durchlauf im Jahr 2017 mit 200 Frauen brachte keinen entscheidenden Hinweis. Die zweite Testreihe startete im Mai vergangenen Jahres.

Die Gründe für die Verweigerungen seien ganz unterschiedlich, erklärte Neufang. Details nannte der Staatsanwalt nicht. Erschwerend käme hinzu, dass mehrere Briefe zu den Ermittlern zurückkamen, weil die zum Test eingeladenen Frauen bereits umgezogen seien.

Keine automatische Verdächtigung

Doch eine Frau sei nicht automatisch verdächtig, nur weil sie den Test nicht antrete, betonte der Staatsanwalt weiter. Die Ermittler müssten die Hintergründe genau prüfen. "Es ist ein "Klinkenputzen", das gemacht werden muss", sagte Neufang. Ermittler müssten etwa an den Wohnungstüren der nicht zum Test erschienenen Frauen klingeln oder Nachbarn befragen. Das sei aufwendig und ziehe die Ermittlungen in die Länge. Erst bei einem Verdacht könnte ein gerichtlicher Beschluss die Frauen zwingen, zum Test anzutreten.

Beim ersten Gentest verweigerten zwei Frauen die Probe. Eine nachträgliche Überprüfung ergab aber auch hier keinen Treffer. Wie viele Frauen beim zweiten Durchlauf an der Untersuchung nicht teilnahmen, sagte Neufang zunächst nicht.

Die zweite Probe war deutlich großflächiger angelegt. Statt wie zunächst im Umkreis von 250 Metern um den Fundort der Leiche wurden im vergangenen Jahr in einem Umkreis von 2,5 Kilometer alle Frauen zum Gentest geladen.

Baby starb durch massive Gewalt

Die Babyleiche war Ende April 2017 in Weißenfels entdeckt worden. Der kleine Körper wies Spuren massiver Gewalteinwirkung auf. Bisher gehen die Ermittler davon aus, dass die Mutter aus Weißenfels stammt, weil der Platz, an dem das Baby gefunden wurde, auf Ortskenntnis schließen lässt. Im Juni 2017 hatte sich die Stadt Weißenfels um die Beerdigung des Säuglings gekümmert.