Benneckenstein l Herzlich willkommen im sichersten Aufenthaltsraum in Deutschland“, sagt Mario Tänzer. Der Benneckensteiner blickt auf die Waffen an der Wand. „Keine Sorge, die sind nicht echt, alles nur Deko.“ Wenn man Panzer sammelt, interessiert man sich offensichtlich auch für das passende Zubehör.

Der Kfz-Mechaniker aus Benneckenstein ist der Protagonist einer neuen Serie, die im Privatfernsehen laufen wird. Die Dreharbeiten sind am Wochenende abgeschlossen worden. Dreh- und Angelpunkt der Serie, die auf dem Männersender DMAX ausgestrahlt wird, ist die Panzerfahrschule, die Mario Tänzer in Benneckenstein betreibt.

Fahrschule für Stahlmonster

Gedreht wurden in den vergangenen Tagen zunächst ein 45-minütiger Pilotfilm und Material für weitere sechs Folgen. Regisseurin Susanne Kerber ist begeistert von der Fahrschule für die Stahlmonster. „Das hat Potenzial für Kult“, ist die Filmemacherin überzeugt. „Wenn der Pilotfilm beim Testpublikum gut ankommt, wird die Serie ausgestrahlt.“ Mit sieben Kameras und zwei Kollegen ist Kerber für zwölf Drehtage nach Benneckenstein gekommen. Mario Tänzer hofft auf einen Sendeplatz außerhalb der Spiele zur Fußball-WM. „Aber der genaue Sendetermin steht noch nicht fest“, sagt Susanne Kerber.

Bilder

Zum ersten Mal ist der Panzer-enthusiast nicht im Fernsehen zu sehen. Mit seinem ungewöhnlichen Hobby, das er vor gut zehn Jahren zum Beruf gemacht hat, waren Mario Tänzer und sein Mitarbeiter Marcel König schon auf RTL bei „Alarm für Kobra 11“, im MDR, im NDR und auf Pro Sieben bei „Galileo“ zu sehen. „Auf N24 waren wir in einer Panzer-Dokumentation ‚Giganten aus Stahl‘. Die Regisseurin sagte, wir seien so spannend wie die Ludolfs“, berichtet der 35-Jährige. So sei die Produktionsfirma auf die Benneckensteiner Fahrschule der besonderen Art aufmerksam geworden.

Panzer und Sowjetmilitärtechnik

Zunächst sei eine sogenannte interne Serie über die Panzerfahrschule gedreht worden, die mehreren Sendern vorgestellt wurde. Schließlich entschied sich DMAX für die Tänzers. „Das Filmteam begleitet unseren Tagesablauf, zeigt, wie wir Panzer fahren, was wir hier aufbauen“, erklärt er. „Es wird nichts gestellt. Es gibt keinen Fake.“ Die Filmleute sind mit den Tänzers nach Polen gereist, um einen neuen ausrangierten Panzer abzuholen, den sie für den Fahrschulbetrieb fit machen wollen. Sie fingen Fahrunterricht mit 24 Fahrschülern ein. „Einer ist liegengeblieben, der Panzer musste geborgen werden“, berichtet Susanne Kerber. Gestellt werde zwar nichts – ein besonderes Bonbon hat sich Tänzer für die Dreharbeiten aber trotzdem aufgespart: In den Dreh fließt der Aufbau einer sogenannten Horchkuppel mit ein, die Mario Tänzer auf seinem riesigen Firmengelände aufbauen will. Sie stand einst am Brocken. Die einzelnen Segmente werden auf dem Freigelände wieder zu der zwölf Meter hohen und zwölf Meter im Durchmesser großen Kuppel aufgebaut, die der sowjetische Geheimdienst nutzte, um seine nach dem Westen ausgerichteten Abhöranlagen unterzubringen. Das besondere Stück passt zum Thema Panzer und Sowjetmilitärtechnik und soll als weitere Attraktion für die Besucher dienen.

Elf Panzer hat der 36-Jährige derzeit in Benneckenstein stehen, alle Baujahr bis 1989. Die meisten ausrangierten Panzer kauft er in Polen ein. „Die polnische und die DDR-Armee hatten Panzer aus russischer Produktion“, erklärt er. „Man braucht Beziehungen, um an Panzer zu kommen“, sagt er. „Viele werden mittlerweile nach Afrika und China verschifft.“

Eltern haben das nicht gern gesehen

Wenn Mario Tänzer von jenem Tag spricht, an dem er zum ersten Mal in seinem Leben einen Panzer erblickte, bekommt er Gänsehaut. „Es war 1990. Ein Klassenkamerad sagte zu mir: ‚Du Mario, ich habe einen Panzer im Wald gefunden‘.“ Der Junge, damals acht Jahre alt, traute seinen Ohren nicht. Und so fuhr er mit dem Fahrrad vier Kilometer bis zu einem verlassenen Truppenübungsplatz in Richtung Tanne. „Da stand er: Ein T34-Panzer, mitten auf der Lichtung“, erinnert er sich. Von jenem Tag an verbrachte er seine Nachmittage spielend am Panzer. „Meine Eltern haben das nicht gern gesehen. Schließlich kann man sich dabei verletzen. Aber ich war so fasziniert, dass ich jeden Tag dort war.“

Irgendwann im Jahr 1993 dann der Schock. „Mein Vater sagte mir, dass der Panzer abgeholt wurde. Für mich ist an diesem Tag eine Welt zusammengebrochen.“ Er fasste den Entschluss, sich selbst einen Panzer zu kaufen. Vor elf Jahren erfüllte er sich schließlich seinen Traum. „Mein erster Panzer hatte leider einen Kupplungsschaden. Als ich ihn kaufte, lief er. Aber nur 20 Minuten, dann war er kaputt“, erinnert er sich. „Als Laie musste ich Motor und Getriebe komplett ausbauen, das betraf über 100 Anschlüsse.“ Er schaffte es, den Panzer wieder zum Laufen zu bekommen. Seitdem kennt er die große, schwere Technik in- und auswendig.

Leidenschaftlich Automobile sammeln

Das Areal, auf dem sich zu DDR-Zeiten ein Berufsbekleidungswerk befand, kauften die Tänzers 2002 nach einigem Hin und Her, da das Gelände nach der Wende von der Treuhand verwaltet wurde. Peu à peu bauten sie eine Ausstellung rund um das Leben in der DDR auf. Immer dabei: Ruth und Harald Tänzer, Marios Eltern, die ebenfalls leidenschaftlich Automobile sammeln, sowie Lebensgefährtin Nicole Schumann.

Die Panzerfahrschule, die Schüler immer an zwei Wochenenden in den warmen Monaten empfängt, hat sich zum wahren Touristenmagneten in Benneckenstein entwickelt. Klar habe es anfänglich auch kritische Stimmen gegeben. „Aber die wenigsten, die Panzer fahren wollen, sind Militaristen“, sagt Mario Tänzer. Sogar er selbst sei trotz seiner Vorliebe für die Kriegsgeräte nicht bei der Bundeswehr gewesen. „Und mittlerweile haben alle im Ort gemerkt, dass die Pensionen voll sind, wenn wir Fahrschulwochenende haben“, sagt er.

Im Winter ruht die Fahrschule

Und wer steigt in den Panzer? „Zu uns kommen alle Altersklassen, Männer wie Frauen, und das aus ganz Deutschland“, sagt er. 30 Prozent der Gäste reisen aus 100 Kilometern Umkreis an, der Rest nimmt für das Erlebnis Anfahrten von 300 Kilometern und mehr in Kauf. „Jeder, der Auto fahren kann, ist auch in der Lage, einen Panzer zu fahren“, ist der Familienvater überzeugt. Gruppen kamen bereits aus Dänemark, aus Neuseeland waren Besucher bei den Benneckensteinern. Im Winter ruht die Fahrschule. „Dann sind die Panzer kalt wie eine Gefriertruhe.“