Chronologie – das Hüpf-Problem

2002 beschließt der Magdeburger Stadtrat den Stadionbau. 2006 wird die Arena als länderspieltaugliches Stadion eröffnet. Baukosten 31 Millionen Euro, Kapazität 21. 900 Sitzplätze und 3600 Stehplätze.

Mit dem Erfolg des FCM kommen immer mehr Fans. Aktuell hat der FCM mit 16.700 Zuschauern den besten Drittliga-Schnitt pro Spiel.

Im Sommer 2016 berichtet die Volksstimme erstmals über die Statikprobleme. Weil die Fans im Block U rhythmisch hüpfen, schwingt die Tribüne. Hintergrund: Für die Sitzplatztribünen ist extremes Hüpfen statisch gesehen nicht kalkuliert.

Weitere Messungen im Dezember 2016 bestätigen die Probleme. Eine Stadionsperrung kann abgewendet werden, weil sich Stadt, Verein und Fans auf ein Hüpfverbot verständigen.

Im Mai 2017 soll der Plan für die Verstärkungen der Tribünen stehen. Im Juni entscheidet der Stadtrat.

Magdeburg l Der FCM muss für die kommende Saison für jedes Heimspiel ein Ausweichstadion benennen, um die Lizenz zu bekommen. Das fordern die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB).

Keine zehn Prozent für Gästefans

Diese Bedingung wurde gestellt, weil der Club momentan nicht die in der 1. Bundesliga und der 2. Bundesliga vorgeschriebenen zehn Prozent des Kartenkontingents für Gästefans bereitstellen kann. Eventuell drohen „Heimspiele“ in einer anderen Stadt. Grund dafür sind die im November festgestellten Statikprobleme des Stadions. Seitdem gibt es in der Arena ein striktes Hüpfverbot. „Unsere Fans halten sich auch daran, das haben sie in den vergangenen Monaten immer wieder bewiesen“, sagt FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik. „Wir können das aber nicht bei den Gästefans garantieren.“

Eigentlich müssen für die Gästefans bei jedem Heimspiel mindestens 2200 Plätze zur Verfügung gestellt werden. Momentan kann wegen der Statikprobleme aber nur Block 14 genutzt werden, Block 15 wird für Gästefans nicht geöffnet. „Somit können wir im Moment nur 5,4 der geforderten zehn Prozent bereitstellen“, sagt Kallnik. „Wir sind mit dem Stadionbetreiber im ständigen Austausch, um eine Lösung zu finden“, ergänzt er.

Blick nach Braunschweig und Hannover

Die DFL wollte sich am Dienstag mit Blick auf das laufende Lizenzierungsverfahren nicht zum Thema äußern. Man befinde sich in der Sache aber im Austausch mit dem Verein.

Bis zum 31. Mai (DFL) beziehungsweise bis zum 2. Juni (DFB) muss ein Ausweichstadion benannt werden, in dem die zehn Prozent Gästekontingent erfüllt werden können. Zeitlich noch enger wird es für den FCM, weil diese Bedingung auch für ein mögliches Relegationsspiel gilt. Hierfür müsste bereits bis zum 4. Mai ein Stadion benannt werden, so die Vorgabe. Mögliche Ausweichvarianten wären die Spielstätten in Hannover, Wolfsburg, Braunschweig, Dessau-Roßlau oder Berlin beim 1. FC Union. Nach Halle möchte der FCM nicht ausweichen. „Wir sind mit einigen Vereinen im Gespräch, wollen aber noch nicht zu viel sagen, weil es für diese Vereine in der laufenden Saison auch noch um einiges geht“, stellt Kallnik klar.

Statikprobleme müssen behoben werden

Fest steht, dass die Statikprobleme in der MDCC-Arena möglichst kurzfristig behoben werden müssen. Sonst könnte es sein, dass der FCM seine Heimspiele bald auswärts austragen muss. Doch danach sieht es im Moment nicht aus.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (parteilos) kündigte an, dass in der kommenden Woche die Pläne für die Verstärkung von Tribünenbereichen vorliegen sollen. Dabei geht es um den Block 15 im Gästebereich sowie die Blöcke 3 bis 5, in dem der Block U seine Heimstätte hat. Zunächst sollen die Pläne mit Vertretern der Fans und dem 1. FC Magdeburg als Hauptmieter besprochen werden. Anschließend werde eine Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat vorbereitet. Das Gremium solle am 8. Juni über die Pläne und auch die Finanzierung entscheiden. Angaben über Zeiträume, Auswirkungen und Kosten machte Trümper nicht.

Baubeginn nicht mehr in diesem Jahr

Es dürfte sich aber um eine Summe im Millionenbereich handeln. Nach Volksstimme-Informationen ist mit einem Baubeginn nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen. Hintergrund: Erst nach einem Ratsbeschluss kann die Ausschreibung erfolgen, was mehrere Monate dauern könnte.

Verstärkung der Tribüne vorgesehen

Dem Vernehmen nach ist eine Verstärkung der Tribünen von der Unterseite vorgesehen. Danach erhalten die zwölf Meter langen Traversen, auf denen die Fans stehen, jeweils auf der Hälfte zusätzliche Stützen, so dass dann nur noch eine Spannweite von sechs Metern vorhanden ist.

Diese Verkürzung soll die Tribünen stabilisieren und die Schwingungen dämpfen, die durch das rhythmische Hüpfen erzeugt werden. Sollte dieses Verfahren zur Anwendung kommen, müssen – anders als von manchen befürchtet – die Traversen nicht aufwändig ausgebaut werden.

Arbeiten sollen im Gästeblock 15 starten

Die Bauarbeiten könnten dann weitgehend von unten erfolgen. Eine längere Sperrung von Tribünenbereichen ließe sich vermeiden. Zunächst sollen die Bauarbeiten im Gästeblock 15 beginnen. Dort gibt es nur Sitzplätze für Gäste.

Um die vom DFB geforderte Garantie für 2200 Gästeplätze erfüllen zu können, gebe es bis zur Umsetzung der Bauarbeiten noch mehrere andere Übergangsvarianten, so Trümper. Eine davon könnte die vor- übergehende Aufteilung des Gästeblocks auf die Bereiche der Blöcke 14 (da stehen schon jetzt die Gästefans) sowie 18/19 sein. Auch eine Öffnung von Block 13 werde nicht ausgeschlossen. Hintergrund: Die Blöcke 18/19 und 13 liegen in den Stadionkurven. Dort herrschen wegen der Eckbebauung bessere statische Grundlagen.

Trümper kritisierte auch die Auflagen des DFB und untermauerte seine Argumentation, dass das Stadion mit Zustimmung aller Beteiligten als Sitzplatzstadion gebaut wurde. Werde auf das Hüpfen verzichtet, gebe es keine Probleme.

Trümper verteidigt Sitzplatzstadion

Dies treffe auch auf den Block 15 mit Sitzplätzen für die Gäste zu. Trümper argumentiert: „Wenn der Gastverein seine Fans auf die ordnungsgemäße Nutzung hinweist, ist alles in Ordnung. Sollten die Fans durch das Hüpfen einen Spielabbruch provozieren, weil vielleicht ihre Mannschaft in Rückstand liegt, muss das Spiel eben gegen ihr Team gewertet werden.“

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