Magdeburg/Wettin (dpa) l Unscheinbar kommt die Behausung daher. In einem Eckhaus in Stadtfeld Ost wird in Magdeburg Fernsehen gemacht. Seit 20 Jahren gibt es den Offenen Kanal der Stadt. "Am 2. Oktober 1998 haben wir angefangen zu produzieren. Am 31. Oktober 1998 sind wir das erste Mal auf Sendung gegangen", erzählt Leiterin Bettina Wiengarn. Von Beginn an hat sie die Geschichte des Senders begleitet.

Fernsehen von Bürgern für Bürger: "Das ist die Grundidee eines Offenen Kanals", sagt die 58-Jährige. Ein urdemokratischer Gedanke komme bei dieser Art des Fernsehmachens zum Tragen. Offene Kanäle sind zugangsoffene regionale oder lokale Fernsehsender. "Jede Person aus dem Verbreitungsgebiet hat das Recht, sich bei uns Technik auszuleihen und auf eigene Verantwortung Inhalte für den Offenen Kanal zu produzieren", sagt Wiengarn.

Insgesamt gibt es sieben Offene Kanäle in Sachsen-Anhalt. Alle gingen 1998 oder im Folgejahr auf Sendung. "Das ist einzigartig. Nirgendwo haben sich in Deutschland in so kurzer Zeit so viele Offene Kanäle gegründet wie in Sachsen-Anhalt", erklärt die Leiterin, die gleichzeitig Vorsitzende des Landesverbandes der Offenen Kanäle ist. Sender dieser Art gibt es noch in Stendal, Salzwedel, Dessau, Wernigerode, Merseburg und Wettin (Saalekreis).

In erster Linie ist der Offene Kanal ein Bürgersender. Die tägliche Produktion von Filmen, Magazinen, Talks und sonstigen Sendungen mit lokalem Bezug gehört zu den Kernaufgaben. Der Kanal ist durchgängig auf Sendung und kann sowohl per Livestream über das Internet als auch über Kabel am Fernseher geschaut werden.

Circa 8000 Zuschauer pro Tag

"Wir sind in etwa 200.000 Haushalten in Magdeburg und dem Norden Sachsen-Anhalts zu erreichen", erklärt Bettina Wiengarn. Wie viele Menschen den Offenen Kanal wirklich schauen, lässt sich nur schwer berechnen. "Es gibt Zahlen aus dem Jahr 2014. Demnach gucken pro Tag etwa 8000 Menschen für rund 38 Minuten den Offenen Kanal Magdeburg. Damit liegen wir vor Arte und 3Sat", sagt Wiengarn.

Doch der Offene Kanal Magdeburg ist weit mehr als ein Bürgersender und bezeichnet sich selbst als Medienkompetenzzentrum. So arbeitet der Sender für verschiedene Projekte und Videoproduktionen mit unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen wie Schülern, Behinderten, Senioren oder Flüchtlingen zusammen.

Das Team des Offenen Kanals in Magdeburg besteht aus vier Festangestellten. "Darüber hinaus haben wir eine Vielzahl an Interimskräften", sagt Wiengarn. Dazu gehören Freiwillige, Flüchtlinge, Praktikanten und Stipendiaten aus ganz Europa.

"Wettin war als Offener Kanal erst nicht vorgesehen", sagt Wiengarn. Schließlich handelt es sich bei dem Ortsteil der Stadt Wettin-Löbejün um ein 2000-Seelen-Dorf. "Doch wir waren 1993 die Ersten, die sich um eine Lizenz bemüht hatten", erzählt Jens Rudolph. Der Leiter des Offenen Kanals in Wettin hat sich mit seinem kleinen Team auf die Medienpädagogik spezialisiert. So geht der Sender viel in Schulen und soziale Einrichtungen, um dort mit Kindern und Jugendlichen Projektwochen zu veranstalten und Filme zu produzieren.

Auch die Auseinandersetzung mit Flüchtlingsthemen ist ein Schwerpunkt der alltäglichen Arbeit des Senders. "Wir haben uns schon etwas anders entwickelt als die anderen offenen Kanäle in Sachsen-Anhalt", meint Rudolph. So ist der Kanal zwar auch rund um die Uhr auf Sendung, der Schwerpunkt liegt aber nicht so sehr auf der lokalen Berichterstattung wie in Magdeburg. "Wir produzieren eine aktuelle Sendung pro Woche. Die wird dann alle vier Stunden wiederholt", erklärt Rudolph. Dabei berichtet der Offene Kanal Wettin vor allem über kulturelle Veranstaltungen aus der Region.