Magdeburg l Im vergangenen Jahr gab es knapp 170 Waldbrände. Die Feuerwehren kamen dabei auch wegen des fehlenden Löschwassers in Bedrängnis. So mussten Feuerwehren bei Coswig ein Freibad fast leer pumpen und in Osterburg zum Löschen eines Waldbrandes 14 Kilometer Schläuche ausrollen. Angesichts der zunehmenden Waldbrände rüstet das Land auf. Das ist geplant:

Früherkennungssystem: Mit Videotechnik aus der Raumfahrt beobachten schon seit 15 Jahren die Forstleute etwa 70 Prozent der Waldflächen automatisch. Allerdings ist die Soft- und Hardware inzwischen veraltet. Sie reagiert nur auf Grautöne in Schwarzweiß und schlägt vor allem auch bei Staubwolken falsch an. Jörg Borchardt vom Landeszentrum Wald: „Das soll sich ändern.“ Das neue Früherkennungssystem hat eine viel höhere Auflösung und die Kameras (15 Kilometer Überwachungsradius) liefern von den 15 Türmen Farbbilder. Brände können so schneller lokalisiert werden. Die Technik gibt es bereits in Brandenburg und Sachsen – Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen planen die Anschaffung. Der Vorteil der Vereinheitlichung: Brandenburg könnte im Fall eines Ausfalls die Türme in Sachsen-Anhalt mit überwachen. Geplant ist auch die Einrichtung eines weiteren Turmes in der Annaburger Heide (Wittenberg). Dort gab es 2018 den größten Waldbrand. Künftig werden alle, dann 16 Türme, von Genthin aus überwacht. Bisher geschah das von Klötze, Annaburg und Genthin aus. Der Umbau soll 1,4 Millionen Euro kosten und spätestens 2020 fertig sein.

Bessere Wasserentnahme: Viele Brunnen sollen versandet oder Wasserstellen ausgetrocknet sein. Deshalb überprüfen aktuell alle Kommunen und Gemeinden in Zusammenarbeit mit den Feuerwehren die knapp 1400 Wasserentnahmestellen im Forst. „Bei Verbesserungswünschen werden wir tätig“, so Borchardt. Außerdem sollen die Wege für die Löschfahrzeuge neu kartiert werden. Dies werde aber zwei bis drei Jahre dauern. Für den Wege- und Waldumbau mit mehr Laubbäumen stehen laut Umweltministerium bis 2021 noch acht Millionen Euro Fördergeld für Privatwaldbesitzer zur Verfügung.

Tanklöschfahrzeuge: Von den 1900 Löschfahrzeugen sind laut Innenministerium für den Waldbrandeinsatz 450 wegen ihres Fassungsvermögens und der Geländefähigkeit geeignet. Aktuell soll nun die Beschaffung von 14 speziellen geländegängigen Tanklöschfahrzeugen gefördert werden.

Schlauchstrecken: Um lange Strecken zwischen Hydranten oder Gewässer zum Brandort zu überbrücken, muss die Feuerwehr viele Schläuche anein­anderkoppeln. Frank Mehr, Direktor des Institutes für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge: „Jeder Landkreis bzw. kreisfreie Stadt müsste zusätzlich über einen Schlauchwagen mit zwei Kilometer Fassungsvermögen vom Bund verfügen.“ Das würde für 28 Kilometer reichen. Allerdings müssten jeweils Pumpen dazwischengeschaltet werden.

Neue Taktiken: „Wir überlegen auch Varianten, wie sie in Südeuropa genutzt werden. Gefährdete Gemeinden könnten zum Beispiel private Hubschrauber mit Außenlastbehältern anmieten“, sagt Kai-Uwe Lohse, Chef des Landesfeuerwehrverbandes. Dafür müsse nicht immer zwangsläufig die Bundeswehr angefordert werden. Außerdem wäre eine leichtere Einsatzbekleidung nötig. „Die bisherige ist nur für Einsätze in und an Gebäuden gedacht, für Waldbrände aber ungeeignet.“

SPD-Innenexperte Rüdiger Erben geht außerdem die Ausrüstung vor allem durch den Bund nicht schnell genug: „Sachsen-Anhalt müsste vom Bund 29 Löschfahrzeuge und 13 neue Schlauchwagen bekommen. Doch bisher ist davon nichts angekommen.“