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Fitnessbranche: Zwischen Bangen und Hoffen auf normale Zeiten

Der Fitnessbranche hat die Pandemie zu schaffen gemacht. Sieben Monate Schließung ließen die Mitgliederzahlen deutlich sinken. Dennoch: Viele Menschen sind froh, jetzt wieder in Gemeinschaft trainieren zu können.

Von dpa 13.06.2021
Die Fitnessbranche in Sachsen-Anhalt braucht einen langen Atem.
Die Fitnessbranche in Sachsen-Anhalt braucht einen langen Atem. Foto: dpa/Sebastian Willnow

Halle (dpa/sa) - Das Atmen fällt schwer unter der FFP-2-Maske, der Körper schwitzt. Es scheint eine Qual zu sein. «Endlich wieder Training. Ich bin froh, dass es weiter geht», sagt der 73-Jährige. Vor der Pandemie hat er dreimal pro Woche an den Geräten im Studio trainiert und hat sich fit gefühlt. Die vergangenen sieben Monate Schließung brachten für ihn einen herben Rückschlag. Ein paar Kilo Gewichtszunahme, kaum Bewegung und zu wenig Flüssigkeit getrunken. Die Folge: Eine Thrombose im Bein. Jetzt trägt er Stützstrümpfe und nimmt Blutverdünner. «Ich war erschrocken», sagt der Mann. Er will jetzt, da dass Studio geöffnet hat, wieder dreimal in der Woche trainieren und hofft, dass es gesundheitlich besser wird.

«Es ist gut, dass es wieder möglich ist, im Studio zu trainieren», sagt auch Tuan-Hung Tran. «Das Training zu Hause ersetzt nicht die Atmosphäre im Fitnessstudio. Es ist eben nicht das gleiche, zu Hause fehlte mir der soziale Austausch.» Im Lockdown hatte Tran mit Therabändern - das sind Fitnessbänder aus Latex - die Muskeln belastet. Seine Freundin habe ihn immer wieder motiviert. Dem 29-Jährigen sieht man an, dass er Sport macht. Er trainiert seit etwa zehn Jahren an den Geräten. «Eigentlich habe ich im Studio angefangen, um mir das Rauchen abzugewöhnen. Und es hat funktioniert», sagt Tuan-Hung Tran.

Die Fitnessbranche in Sachsen-Anhalt braucht einen langen Atem. «Wir haben einen Teil unserer Mitglieder verloren, und mit Sicherheit lässt sich sagen, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis wir auf das Niveau an Neuverträgen aus der Zeit vor der Pandemie kommen», sagt Kommunikationsleiter der Studiomarken RSG Group, Pierre Geisensetter. «Niemand kann derzeit voraussagen, wohin sich die Branche mit Blick auf die jüngste Geschichte entwickelt. Es wird erstmal definitiv ein wirtschaftlicher Kraftakt für Studiobetreiber bleiben.» Zur Gruppe gehört auch die Fitnesskette «McFit».

«Generell stellen wir fest, dass die Lust auf's Gym bei Mitgliedern, die Fitnesstraining als Lifestyle pflegen, ungebrochen ist», sagt Geisensetter. «Die Testpflicht ist für echte Fitness-Fans zwar keine Abschreckung, aber weniger Hürden bringen dann bestimmt auch wieder mehr Mitglieder zurück.»

Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV/Hamburg) haben viele Mitglieder berichtet, wie sehr sie das Training im Studio vermisst hätten. Ein Online-Training könne vieles nicht ersetzen. In den Studios könnten die Mitglieder bei Unsicherheiten die Trainer jederzeit ansprechen und auch individuelle Trainingspläne erstellen. Außerdem sei es eine Abwechslung zum Alltag. Ende 2020 gab es den Angaben des DSSV zufolge in Sachsen-Anhalt insgesamt 158 000 Mitglieder, rund 38 000 weniger als 2019. Landesweit existieren 156 Fitnessstudios.

Ein etwas anderes Konzept hat die Magdeburger Fitness-Firma NaturImPuls. Angeboten wird Gruppen- und Einzeltraining an der frischen Luft und ohne Geräte. Die Nachfrage für den weit teureren Einzelunterricht ist hoch. «Da habe ich eher das Problem, ob ich den Preis erhöhe, oder einen weiteren Trainer ins Team hole», sagt Eigentümer Simon Schröder. Er räumt ein, dass diese Kunden meist Besserverdiener sind. «Wir haben nicht mehr Kündigungen als sonst gehabt. Aber auch dadurch bedingt, dass wir in der Zeit der Schließung auch kein Geld eingezogen haben.»