Magdeburg l Der Konflikt zwischen Umweltministerin Claudia Dalbert und Sachsen-Anhalts Waldverbänden verschärft sich. Gestern haben sich die Förster und Waldbesitzer mit ihren konkreten Forderungen erstmals über die Landespressekonferenz im Landtag an die Öffentlichkeit gewandt.

Ein ungewöhnlicher Schritt. Das weiß auch Franz zu Salm-Salm, Vorsitzender des Waldverbandes, und erklärte: "Das hier ist ein letzter Hilferuf, wir sind am Ende. Diese Waldschäden sind vor allem eine logistische Katastrophe und unsere Landesregierung hat sie durch Nichts-Tun beschleunigt."

Zusammen mit Hubertus Hlawatsch vom Landesforstverein Sachsen-Anhalt und Eberhard Nothmann (IG Bau) erklärte er, die Waldbesitzer hätten bereits 2018 den Einsatz eines zentralen Krisenstabs zur Bewältigung der durch Trockenheit und Stürme stark geschädigten Wälder gefordert.

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Diese Forderung unterstrich Salm-Salm auch gestern noch einmal - erhielt aber prompt eine Absage. So erklärte Umweltministerin Claudia Dalbert gegenüber der Volksstimme: "Einen landesweiten Krisenstab lehne ich ab." Die Schäden im Wald seien regional sehr unterschiedlich. Sollten Landkreise Krisenstäbe einrichten wollen, stehe Hilfe seitens der Betreuungsforstämter des Landeszentrums Wald zur Verfügung.

Laut dem kürzlich vorgestellten Waldzustandsbericht betrugen die Kahlflächen zum Ende 2018 rund 13.000 Hektar. Damit ist der Waldzustand so schlecht wie seit 1991 nicht mehr. Der Harz ist besonders betroffen. Das Hauptproblem: Das resultierende Holz-Angebot übersteigt die Nachfrage bei weitem. Die Preise sind im Keller. Die Folge: Geld fehlt, um Schadholz abzutransportieren und neu aufzuforsten - besonders bei kleinen Waldbesitzern. Rund 88 Prozent der rund 53.000 Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt haben kleine Flächen von bis zu fünf Hektar. Damit sind fast die Hälfte aller Waldflächen im Land in der Hand kleinster Privatwaldbesitzer. "Sachsen-Anhalt ist das Epizentrum der Katastrophe und vor allem die kleinen Waldbesitzer werden im Stich gelassen", so Salm-Salm. Aus seiner Sicht habe das Land die Schäden nicht systematisch erfasst und gemeldet – deshalb könnten am Ende Fördermittel fehlen.

Eine konkrete Forderung: die Hilfsmittel des Landes zur Schadensbeseitigung und Wiederaufforstung geschädigter Waldflächen von 12 auf 40 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre erhöhen. Dazu erklärte Claudia Dalbert gestern gegenüber der Volksstimme: "Wir unterstützen die privaten Waldbesitzenden bei der Waldberäumung und der Wiederaufforstung. Zusätzlich zu den schon bisher eingeplanten Fördermitteln kommen im Haushaltsentwurf der Landesregierung 30 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021 hinzu."

Salm-Salm reagierte skeptisch. Viele Fördermittel seien in der Vergangenheit aufgrund umständlicher und langwieriger Verfahren nicht abgerufen worden. "Ich glaube es erst, wenn ich sehe, dass das Geld auch in der Fläche ankommt", so Salm-Salm. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass erst im August eine überarbeitete Richtlinie in Kraft getreten ist, um die zuvor hohen, vor allem bürokratischen Hürden zu beseitigen und schneller Fördermittel bereitstellen zu können. "Grundsätzlich muss klar sein, dass wir öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen ausgeben", sagte Dalbert.