Der 53-jährige Magdeburger, Sohn der Friedensfahrt-Legende Täve Schur, hat in seinem Rad-Laden nicht nur die komplette Ausstattung rund ums Fahrrad auf Lager, sondern auch Tipps, wo es sich im Einklang mit der Natur am bestens radeln lässt. Er selbst ist im Jahr rund 6000 Kilometer in der Region unterwegs. „Ich brauche keine Touren in Bayern, an der Ostsee oder auf Mallorca – denn das Gute liegt so nah.“ Sachsen-Anhalt habe alles zu bieten, was der Erholung, Entspannung und dem Entdeckergeist im Sattel dient: wildromantische Uferwege, grüne Wiesen, Auenwälder oder interessante Kulturdenkmäler. Egal, ob entlang des Blauen Bandes, auf den Spuren der Himmelsscheibe oder den regionsübergreifenden Wegen und egal, ob mit dem Tourenrad, dem Mountainbike oder Rennrad – „auf 40 000 Kilometern kreuz und quer durchs Land ist für jeden etwas dabei“, meint der Zweirad-Experte.

Drei-Fähren-Tour – Start und Ziel in Barby

Die „Drei-Fähren-Tour" ist eine klassische Vernetzung der beiden überregionalen Radwanderwege Elberadweg und Saaleradweg. „Für mich ist das die schnuckligste Tour, wenn ich mal auf die Schnelle raus muss vom Alltag hinaus in die freie Natur um die Ecke", wirbt Gus-Erik Schur für seine absolute „Nummer 1" der Radtouren durch Sachsen-Anhalt (normaler Wasserstand vorausgesetzt). Die Tour ist nicht so anspruchsvoll, umfasst eine Gesamtlänge von rund 24 Kilometern und ist auch für Kinder – möglicherweise in abgespeckter Form als zwei-Fähren-Tour – geeignet. „Für die Kleinen ist es total spannend, wenn es heißt: Fährmann hol über!"

Mit der Gierfähre geht‘s über die Elbe und weiter auf der L51 in Richtung Walternienburg. Wer will, kann im kleinen Ort Ronney dem Umweltzentrum einen kleinen Besuch abstatten. Von Walternienburg – mit herrlichem Blick auf die Wasserburg – fährt man nach Tochheim und weiter zum ehemaligen Schifferdorf Breitenhagen. Von hier an führt der Weg fast ausschließlich auf der neu ausgebauten Deichkrone bis Groß Rosenburg. Am Kanuanleger befindet sich ein Rastplatz für Radtouristen (Blaues Band). Eine Besichtigung der Burgruine Rosenburg ist unbedingt zu empfehlen. Weiter führt die Tour durch den Auenwald Hasselbusch bis nach Groß Rosenburg zur Gierseilfähre über die Saale. Nach Überfahrt der Saale radelt man über Tornitz nach Barby zurück.

Tour von Magdeburg nach Dornburg und zurück

„Die Tour ist mit 50 Kilometern Länge doch schon etwas anspruchsvoller – Kondition und Zeit sind bei dieser Tagestour quasi mitzubringen", gibt Schur zu bedenken. Start ist die Kirche in Alt Prester. Entlang der Luisenthaler Straße führt parallel ein Radweg über Pechau, Calenberge nach Randau, Elbenau bis nach Plötzky. Hinunter zum Steinhafen führt ein Weg entlang der alten Elbe nach Dornburg. Linksseitig hat man einen herrlichen Blick auf das alte, majestätische Schloss. „Meine Empfehlung ist eine Rast im Restaurant ,LPG‘ - der selbstgebackene Kuchen ist eine Wucht", macht Schur die Tour schmackhaft.

Die Rücktour geht über den gleichen Weg zurück nach Pretzien und Plötzky. Allerdings geht es von hier aus rechts am Hochwasserdamm über die gut ausgebaute Straße nach Pechau und über die alte Klusbrücke durch den Ort hindurch über den ausgeschilderten Radweg zum Klusdamm nach Magdeburg zurück.

Roland-Wildpark-Route durch die Altmark

Die Tour von Stendal über Tangermünde, Buch, Weißewarte und Demker zurück nach Stendal mit einer Gesamtlänge von 48 Kilometern schätzt der Radexperte als „mittelschwer" ein. Sie verbindet entlang der Elbe die Hansestädte Stendal und Tangermünde. Am Naturbeobachtungsturm Buch angekommen, lassen sich egal zu welcher Jahreszeit große Schwärme an Wasservögeln beobachten. Im Nabu-Zentrum Buch kann man einkehren und sich mit leckeren, natürlich hergestellten regionalen Produkten stärken.

Wenige Meter weiter grüßt der einzige Roland Deutschlands, der in einem Dorf steht. Ein Tipp für Familien on Tour ist der Wildpark Weißewarte, weiß Schur: „Der größte Wildpark Sachsen-Anhalts mit den vielen wildlebenden Tiere ist vor allem für Kinder ein absolutes Highlight."

Saale-Unstrut-Region (Arche Nebra – Burg Querfurt – Schloss Lodersleben)

Die Tour ist als sogenannter Geo-Trail ausgewiesen. „Heißt", so Gus-Erik Schur: „Der Radweg dient dem naturnahen, geländebezogenen Fahren und ist eine einvernehmliche Lösung zwischen Eigentümern, Nutzern und Naturschutz." Die Strecke verbindet die Arche Nebra mit der Burg Querfurt. Zwar gibt es Ähnliches entlang der Himmelswege, wer aber die Region wirklich kennenlernen möchte, dem sei der Geo-Trail empfohlen. Auf rund 45 Kilometern überwindet man 1000 Höhenmeter, zur Hälfte verteilt auf viele Anstiege und Abfahrten (bis 10 Prozent). Befahren werden Wege und Stege – ohne Ausbau. Es geht naturnah durch Feld und Flur. „Weil manche Abschnitte zerfahren oder verwachsen sind, würde ich für diese Tor ein Moutenbike nehmen", so unser Radtour-Experte.

Von der Arche Nebra zur Burg Querfurt fährt man vom Älteren zum Jüngeren (Bronzezeit-Mittelalter). Genau so verhält es sich mit den Gesteinen im Untergrund – auch hier gilt die Grundregel von Alt nach Jung (Stratigrafie). Dieser Geo-Trail ist in elf Etappen unterteilt - so lässt sich auch gut eine zweitägige Tour planen. Im Routenverlauf sind insgesamt 14 geologische Lehrtafeln verteilt.

Rundtour durchs Selketal – auf Schiene und Rad

Diese mittelschwere Tour führt auf 28 Kilometern durch die herrliche Landschaft am Harzrand entlang. Es geht durch das romantische Selketal mit seiner ursprünglichen Landschaft, die von schroffen Felsen, satten Wiesen, malerischen Teichen und ausgedehnten Buchen- und Eichenwäldern geprägt ist.

Nicht nur Eisenbahnfreunde werden vom Beginn dieser Tour begeistert sein, denn mit der Selketalbahn geht‘s ab vom Bahnhof in Gernrode bis nach Mägdesprung. Dort angekommen, radelt man in Richtung Selkemühle. Auf dem Selketal-Stieg geht es an der Talmühle und der altertümlichen Burg Falkenstein vorbei in Richtung Meisdorf. Von hier wird der Europaradweg R1 bis nach Ballenstedt genutzt. „Das Schloss mit der Klosterkirche und der Grablege ,Albrecht des Bären‘ ist einen Zwischenstopp wert", empfiehlt Gus-Erik Schur – auch mit Blick auf die kulinarischen Köstlichkeiten, die das Restaurant „Fürst Victor" zu bieten
hat. Frisch gestärkt geht es über dem R1 zurück zum Ausgangspunkt nach Gernrode. Hier lädt besonders die Stiftskirche St. Cyriakus zum Verweilen ein.