Magdeburg l Betrachtet man die Misserfolgsstatistik 2018, fielen in Sachsen-Anhalt 3,6 von zehn Fahrschülern in der praktischen Prüfung durch. Dahinter liegen nur noch die Saarländer (36,8 Prozent Versager) sowie die Bremer und Hamburger (beide 42 Prozent). Mehr als jeder vierte Fahrschüler im Land rauschte durch die theoretische Prüfung (43,5 Prozent). Schlechter waren nur noch die Berliner mit 44,3 Prozent.

Eine schlüssige Erklärung, warum Sachsen-Anhalt seit Jahren schlecht abschneidet, gibt es nicht. Selbst der Chef des Fahrschullehrerverbandes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Prescher, tappt im Dunkeln. Sein Ansatz: „Bei uns ist der Druck womöglich größer, weil die Schüler für einen Job dringend den Schein brauchen und Lehrer die Anfänger früher zur Praktischen zulassen.“ Doch fragt man in Fahrlehrerkreisen nach, wird der Vorwurf vehement zurückgewiesen. Jochen Kamieth, seit 26 Jahren Fahrlehrer in Magdeburg, spricht für viele seiner Kollegen: „Das bringt doch letztlich nichts, jemanden halbfertig in die Prüfung zu schicken. Der Prüfer hat doch letztlich das letzte Wort.“ Allerdings habe er bei kleineren Fehlern auch einen gewissen Spielraum, den er ausschöpfen kann.

Ein generelles Problem sehen Fahrlehrer darin, dass Prüfungen ohne Limit wiederholt werden können und es somit am Willen, bestehen zu müssen, fehle.

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Bundesweit saßen im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Fahrschüler schwitzend am Steuer, um den Prüfer davon zu überzeugen, dass sie in den alltäglichen Wahnsinn – sprich Straßenverkehr – entlassen werden können. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt registriert hat, waren das rund drei Prozent Prüfungen mehr als 2017. In Sachsen-Anhalt stieg die Zahl der Praxis-Tests um 2,6 Prozent. Im Saarland waren es sogar mehr als zehn Prozent.

Leicht gesunken ist die Anzahl der Theorie-Prüfungen – von 1,82 Millionen auf 1,8 Millionen. Zwischen Arendsee und Zeitz traten 2018 1,2 Fahrschüler weniger als 2017 zur Theorie-Prüfung an.