Magdeburg l Mit Testanlagen für Hochleistungsbatterien haben sich die Barleber Ingenieure weltweit einen guten Ruf in der E-Mobilitätsbranche erarbeitet. BWM, Bosch, Hyundai und Boeing arbeiten zum Beispiel mit Fuelcon-Anlagen. 15 Millionen Euro Jahresumsatz erzielte der 70-Mitarbeiter-Betrieb zuletzt – überwiegend bestehend aus Ingenieuren. 2017 wurde die neue Batteriefabrik von Audi in Brüssel mit 16 vollautomatischen Prüfstrecken aus Barleben ausgestattet. Der „Q6 e-tron“ soll ab Herbst vom Band rollen und Audis Antwort auf US-Herausforderer Tesla werden.

Der bisherige Produktionsstandort von Fuelcon in Barleben gleicht einem riesigen Industrielabor. Die komplexen Prüfstände sind allesamt Unikate im Kundenauftrag. Die Haupthalle ist ein Hochsicherheitstrakt, der Zugang streng reglementiert.

Chinesischer Markt im Visier

Aus dem Labor soll nun ein echter Produktionsbetrieb werden. Deshalb sind am Freitag die japanischen Horiba-Manager angereist, um die Übernahme per Unterschrift zu besiegeln. „Die Initiative dazu ging von uns aus“, sagt Fuelcon-Chef Mathias Bode, der 2001 mit Partner Ingo Benecke die Firma gegründet hat. „Wir wollen jetzt deutlich auf Wachstumskurs vor allem mit Blick auf den chinesischen Markt gehen. Das war nur mit einem global ausgerichteten Partner möglich“, erklärt Bode. In China hat die Regierung eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die zum Ziel haben, den Anteil von Elektro- und Hybridautos im Land deutlich zu erhöhen. Mehrere zehntausend Ladestationen werden derzeit landesweit errichtet. Der Kauf von Elektroautos wird staatlich hoch gefördert. Bis 2020 sollen landesweit mindestens fünf Millionen unterwegs sein. Mehr noch: Ab 2019 wird eine Produktionsquote für Elektroautos in China eingeführt. Fast jedes vierte in China hergestellte Auto muss dann einen Elektromotor haben. Erfüllt ein Hersteller diese Vorgabe nicht, entstehen deutliche Mehrkosten über ein Punkte-Abgabesystem.

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Die Horiba-Gruppe soll Fuecon nun in großem Stil den Zugang in die Batterie-Fabriken ebnen, deren Bau in China absehbar ist. Der japanische Konzern wurde bereits nach dem Krieg gegründet. Er ist nach eigener Darstellung Weltmarktführer für Motor-, Brems- und Emissionstestsysteme. Hauptgeschäftsfeld ist die Herstellung und der Verkauf von analytischen Messausrüstungen. 7400 Mitarbeiter, 1,52 Milliarden Euro Nettoumsatz 2017.

Vor allem die zukunftsträchtige Brennstoffzellen-Forschung in Barleben schließe eine Lücke im Horiba-Konzern, hieß es gestern. Horiba-Vizepräsident Georg Gillespie sagte anlässlich der Übernahme, man sei vor dem Hintergrund der fortschreitenden Elektrifizierung des Transportes auf der Suche nach einem passenden Branchenführer gewesen. „Mit Fuelcon haben wir den perfekten Partner gefunden“, so Gillespie. Wie viel sich die Japaner den Einkauf in Sachsen-Anhalt kosten lassen haben, ist ein deutsch-japanisches Geheimnis.

Firma soll wachsen

Ein Branchenführer ist Fuelcon tatsächlich vor allem bei Brennstoffzellen-Prüfstrecken. Auf diesem Feld forschen die beiden Unternehmensgründer schon seit der Jahrtausendwende. Zuletzt sorgte das Barleber Unternehmen im Sommer 2017 für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass die Nasa in Ohio Brennstoffzellen für Raumkapseln mit einer Prüfanlage aus Barleben testet. Dieser Forschungsdrang soll nun auch unter dem Dach von Horiba nicht versiegen. Bode und Benecke bleiben Geschäftsführer, so die Vereinbarung. Die Barleber Firma arbeitet weiter eigenständig – und soll wachsen.

In den nächsten drei Jahren „mit deutlich mehr Mitarbeitern“, kündigt Bode an. Auf eine Zahl festlegen will er sich nicht. Eine Jahresumsatzsteigerung von jetzt 15 Millionen Euro auf einen mittlerer zweistelliger Millionen-Betrag sei aber vorstellbar. Auch räumlich wollen die „Batterie-Tester“ in Barleben zulegen, um neue Produktionsstrecken aufbauen zu können.

Kleine Episode am Rande: Der Konzerninhaber Atsushi Horiba, Sohn des 2015 verstorbenen Firmengründers Masao Horiba, war Anfang Juli eigens mit dem Privatjet von London über Braunschweig nach Barleben gekommen, um seine zukünftige Konzerntochter in Augenschein zu nehmen. Drei Stunden dauerte der Besuch. Es habe ihn in Barleben sehr gefallen, erzählen die beiden Fuelcon-Chefs nicht ohne Stolz. Besondere Freude bereitete dem Gast das Spargelessen im Hotel „Sachsen-Anhalt“. Meinung