Magdeburg (dpa) l Eines der liebsten Hobbys der Sachsen-Anhalter steht vor Problemen. Weil in vielen Kleingärten-Vereinen die Mitgliederzahlen sinken, bleibt mittlerweile ein Fünftel der Parzellen ungenutzt. Bei einer Diskussion am Donnerstag im Magdeburger Landtag waren sich alle Fraktionen einig: hier muss die Politik helfen. Nur wie? Darüber gingen die Meinungen auseinander.

Kleingärten seien ein unverzichtbarer Teil der Lebenskultur in den Städten, sagte Umweltministerin Claudia Dalbert. Erholung, sozialer Treffpunkt, Erhalt der Artenvielfalt – all das leisteten die Gärten. "Unsere Kleingärten – sie sind Oasen der Erholung und Paradiese der Artenvielfalt. Es lohnt jede Mühe, diese Oasen zu erhalten", sagte die Grünen-Politikerin.

Die Probleme der Kleingärtner sind vielfältig. Mehr als 110.000 solcher Gärten gibt es in Sachsen-Anhalt – rund 22.000 sind dem Verband der Gartenfreunde zufolge derzeit ungenutzt. Das hat für die Vereine und ihre Mitglieder vor allem finanzielle Konsequenzen. Denn die Pacht für die leerstehenden Gärten müssten die verbliebenen Gärtner übernehmen, sagte die Linken-Abgeordnete Christina Buchheim. Werden die Flächen von den Kommunen an private Eigentümer verkauft, stiegen die Gebühren zudem häufig um ein Vielfaches.

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Auch der Rückbau sei für die Vereine kostspielig. Pro Parzelle müsse mit 3000 bis 5000 Euro gerechnet werden – kaum ein Verein könne das stemmen, sagte Buchheim. Die hohen Kosten entstehen demzufolge, weil die Vereine die Flächen komplett geräumt zurückgeben müssen – also zum Beispiel auch sämtliche Pflanzen samt Wurzeln entfernen müssen. Die Linken-Politikerin forderte deshalb ein Förderprogramm vom Land.

Die Umweltministerin verwies auf mehrere Fördermöglichkeiten. Geld gebe es etwa aus einer Richtlinie zur Entwicklung des ländlichen Raums oder aus der Städtebauförderung. Dalbert kündigte einen Runden Tisch an, um gemeinsam mit Vereinen und Kommunen nach den jeweils passenden Lösungen zu suchen. Nötig seien Entwicklungskonzepte vor Ort, etwa die Kooperation mit Kindergärten, Schulen oder Altenheimen.

Umwandlung in Streuobstwiesen

Allerdings: Geld gibt es nur für den Umbau von Kleingärten, nicht für den Rückbau. Das sei auch so gewollt, sagte Dalbert. Es gelte die Freiflächen in den Städten auf jeden Fall zu erhalten, beispielsweise durch die Umwandlung in Streuobstwiesen. "In diesen Rückzugsflächen der Städte sind schon heute mehr Insekten und Pflanzen zu finden als auf landwirtschaftlich genutzten Flächen", sagte Dalbert. Der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Aldag betonte, es müsse verhindert werden, dass nicht genutzte Kleingärten zu Bauland würden.

Um das Hobby Kleingärten zu erhalten, seien aber auch die Vereine selbst gefordert, sagte SPD-Fraktionschefin Katja Pähle. Die Vereine müssten offener werden, gerade für junge Menschen und Familien. Die würden in ihren Gärten gern Dinge ausprobieren, etwa neue oder seltene Obstsorten anpflanzen. "Da sollte man nicht mit hochgezogenen Augenbrauen auf junge Leute schauen", sagte Pähle.