Magdeburg/Halle (dpa) l Speziell geschulte Hebammen betreuen in Sachsen-Anhalt jedes Jahr rund 600 Familien mit besonderen Problemen im Umgang mit Neugeborenen. Landesweit gibt es 40 dieser Spezialistinnen, wie das Sozialministerium in Magdeburg mitteilte. Die Arbeit der Familienhebammen sowie die Tätigkeit von Familiengesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen werde in diesem Jahr mit rund 720.000 Euro gefördert.

Familienhebammen gibt es in Sachsen-Anhalt seit mehr als zehn Jahren. Sie kümmern sich in erster Linie um das Wohl der Kinder. Zudem helfen sie den oft überforderten oder verzweifelten Eltern als Ratgeber und tragen zur Bewältigung der Probleme bei. Sie bringen mehr Zeit mit als die klassische Hebamme.

Die Vorsitzende des Landeshebammenverbandes, Petra Chluppka, ist selbst Familienhebamme der ersten Stunde. Sie sieht das System sehr gut eingespielt. Es könnten sich auf der einen Seite Frauen mit Hilfebedarf selbst an die Familienhebammen wenden, auf der anderen Seite vermittelten Jugendämter sowie Kinder- und Frauenärzte die Unterstützung.

Chluppka ist wichtig, dass sie nicht als rechte Hand der Behörden wahrgenommen wird. Es gehe nicht um Kontrolle in den Familien. Vielmehr unterstütze sie die Familien bei Details, besser zurecht zu kommen. Dabei gehe es etwa um die Ernährung und Pflege der Kinder, aber auch um die Gesundheit der Eltern. Familienhebammen seien gut vernetzt mit anderen Hilfemöglichkeiten, etwa wenn es finanzielle Probleme gebe. Sehr, sehr feinfühlig müsse eine Familienhebamme sein.

In ihrer täglichen Arbeit als Familienhebamme begegne sie oft Familien mit Armuts-Problemen und geringem Bildungsniveau. Spürbar sei oft ein rauer Umgang. Chluppka betonte, die Mütter und Väter kämen oft selbst aus problembeladenen Familien mit Gewalterfahrungen und beherrschten keinen anderen Ton. "Die haben eine vollkommen andere Wahrnehmung." Sie selbst frage dann nach, warum jemand beispielsweise grob mit einem älteren Kind umgeht. In den Familien werde sie sehr oft freundschaftlich aufgenommen, berichtete Chluppka. Die Familien seien vielfach stolz auf "ihre Hebamme".