Magdeburg l Die Staatsanwaltschaft 1 in München hat ein Verfahren wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen eine Lotto-Filialleiterin aus Zerbst und ihren Ehemann eingeleitet. Die Akten gingen zuständigkeitshalber nun an die Staatsanwaltschaft in Dessau, sagte ein Sprecherin in München Mittwoch der Volksstimme.

Mit dem Gebaren in Sachsen-Anhalts Lottogesellschaft befasst sich seit November ein von der AfD initiierter Untersuchungsausschuss im Landtag. Vorige Woche wurde öffentlich, dass die Filialleiterin bei der Sportwette Oddset kräftig mitgetippt und in kürzester Zeit Gewinne über 258.000 Euro eingestrichen hat. Zudem fiel auf, dass ihr Mann früher bei einem Unternehmen gearbeitet hat, das Software für Glücksspielanbieter entwickelt. Es steht der Verdacht im Raum, dass Insiderwissen genutzt wurde.

Das Paar agiert offenbar nicht allein. Um die Filiale in Zerbst rankt sich eine neunköpfige Gruppe von Bekannten und Verwandten, die Millioneneinsätze tätigt, Gewinne macht und durch hohe Bargeldabhebungen auffällt. In einem Fall war Geld nach München geflossen. Daher hatten sich die Ermittler dort dafür interessiert, das Verfahren aber mangels Verdachts eingestellt. Nun wurde es wieder aufgenommen.

Ärger bekommen die Lottochefs auch mit dem Innenministerium von Holger Stahlknecht (CDU). Die dort ansässige Glücksspiel-Aufsicht hatte bereits im Sommer 2019 wegen der hohen Gewinne bei Lotto nachgehakt. Brisante Details, wie das Insiderwissen des Ehemanns der Filialleiterin, verschwiegen die Lotto-Oberen aber. Von diesen Vorgängen erfuhren die hochgradig verärgerten Aufseher erst jetzt. Das Innenministerium hat am Montag daher alle Akten von Lotto angefordert.

AfD-Abgeordneter Jan Wenzel Schmidt wirft den Lottochefs mangelnde Kontrolle aus „Provisionsgier“ vor. Auch in der Koalition bröckelt das Vertrauen. Ein Abgeordneter meint: „Sollte die Aufsicht nicht umfassend informiert worden sein, wird es für die Chefebene eng.“ Die Verträge mit den Geschäftsführern Maren Sieb und Ralf von Einem laufen noch bis Ende 2022.