Gatersleben l An der Gentechnik scheiden sich die Geister: Solange es um den medizinischen Fortschritt geht (rote Gentechnik) oder um gentechnisch hergestellte Produkte wie Vitamine, Insulin oder Biogas (weiße Gentechnik), hat kaum einer etwas gegen die Schlüsseltechnologie. Anders sieht es dagegen bei der grünen Gentechnik aus: Wenn das Erbgut von Mais, Soja oder Weizen verändert wird, damit sich der Ertrag erhöht, die Pflanzen Schädlinge abwehren oder besser mit Dürre klarkommen, laufen Umweltschützer Sturm. Sie befürchten unkalkulierbare Risiken. Auch in der deutschen Bevölkerung sind die Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Gentechnik auf dem Acker groß: Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesumweltministeriums wünschen sich vier Fünftel der Bevölkerung ein Verbot der Gentechnik in der Landwirtschaft.

Daten und Fakten zur grünen Gentechnik:

  • 1973 feierten US-Wissenschaftler den Durchbruch: Sie schleusten erstmals fremde Erbsubstanz in Bakterien ein. 1983 gelang Forschern am Kölner Institut für Züchtungsforschung zum ersten Mal die Genmanipulation einer Pflanze (Tabak).
  • Weltweit: Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (gv-Pflanzen) findet heute auf einer Fläche von 190 Millionen Hektar statt. 95 Prozent entfallen auf fünf Anbauländer – USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien. Großflächig genutzt werden Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Global werden in 24 Ländern gv-Pflanzen landwirtschaftlich genutzt.
  • Europa: MON810-Mais - derzeit die einzige für den Anbau in der EU zugelassene gv-Pflanze - wurde 2018 nur in Spanien und Portugal ausgebracht. Bezogen auf alle EU-Mitgliedstaaten ist der gv-Mais-Anteil mit 1,5 Prozent der Gesamtanbaufläche sehr gering.
  • Deutschland: Am 14. Mai 1990 wurde auf dem Gelände des Max-Planck-Instituts ein Meilenstein der grünen Gentechnik gesetzt: Es wurden Petunien gepflanzt, denen ein Gen aus Mais übertragen wurde, das die Blütenfarbe von Weiß in Lachs veränderte. Es war der erste Freilandversuch mit genmanipulierten Pflanzen in Deutschland – begleitet von Beginn an mit Protesten von Gentechnik-Gegnern. Bis heute haben diese nach Einschätzung der Experten und Wissenschaftler die Deutungshoheit behalten.
  • Vor zehn Jahren wurde der Anbau des genveränderten Mais MON810 verboten. Als die EU 2015 ihren Mitgliedsländern die Möglichkeit einräumte, den Anbau von gv-Pflanzen auf ihrem Territorium zu verbieten, haben 17 Länder davon Gebrauch gemacht - auch Deutschland. Abgesehen von Versuchsfeldern sind seither die Äcker bei uns gentechnikfreie Zone.
  • Sachsen-Anhalt: Am 21.  April 2008 zerstörten sechs Gentechnikgegner ein Versuchsfeld des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben mit gentechnisch verändertem Weizen. Das IPK bezifferte den entstandenen Schaden auf 245000 Euro. Ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung wurde 2013 auf Staatskosten eingestellt, nachdem eine Revision der angeklagten Aktivisten erfolgreich war. Die sich über Jahre hinziehende Schadenersatzklage des IPK wurde Mitte 2017 vor der Zivilkammer des Landgerichts endgültig abgewiesen.