Magdeburg l Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Magdeburg steht vor einer schwierigen Aufgabe. Denn so klar, wie der Fall der toten Schönebeckerin auf den ersten Blick zu sein scheint, ist er nicht.

Am 16. Juni, so die Magdeburger Staatsanwältin Sylvia Lerch, sei es wie bereits öfter in der Vergangenheit zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen. Zudem gab es schon mehrere Strafverfahren gegen Jürgen Z.. 

Für die Staatsanwaltschaft ist es Totschlag und der 54 Jahre alte Ehemann der Toten der Täter. Doch der weist jede Schuld von sich. Nach dem ersten Prozesstag gestern ist allerdings auch nicht völlig ausgeschlossen, dass es sich womöglich um einen tragischen Unfall oder Körperverletzung mit Todesfolge handeln könnte.

Etwas mehr Licht ins Dunkel dürfte der Schwurgerichtskammer die knapp 90 Minuten lange Aussage des Angeklagten gebracht haben. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Strafverteidigerin Susanne Brehmer hatte einen entsprechenden Antrag gestellt, um „private Verhältnisse“ von Jürgen Z. und seiner damals 54-jährigen Ehefrau zu schützen.

Am Morgen des 17. Juni 2018 hatte Z. in Schönebeck den Notarzt gerufen, weil seine Frau leblos im Bett lag. Der Mediziner stellte den Tod fest. Bei der Obduktion wurden schwere Kopfverletzungen entdeckt.

Tatort Kinderzimmer

Die Tatortuntersuchungen ergaben, dass der Geschehensort nicht das Schlafzimmer war, sondern das Kinderzimmer, in das sich Sylvia Z. – das Paar lebte in Trennung – zurückgezogen hatte. Das deckt sich mit den Angaben des Angeklagten bei der Polizei. Er hatte gesagt, dass seine Frau gestürzt sei und er ihr ins Bett geholfen habe. Da habe sie noch geatmet, und er habe sich keine Sorgen gemacht.

Familie Z. war bei der Schönebecker Polizei bekannt. Immer wieder mussten sie lautstarken Streit zwischen dem Ehepaar schlichten. Am 16. Juni 2018 gleich zweimal. Jedes Mal hatten Nachbarn beim Revier angerufen. Allerdings, so die Aussagen mehrerer Beamter, habe man keinen Hinweis darauf gehabt, dass die Sache eskalieren könnte.

Man habe der Frau zwar angeboten, dass sie ins Frauenhaus gehen könne, aber das spätere Opfer habe mit dem Hinweis abgelehnt, dass sie eine Woche später nach Magdeburg ziehen werde. Die Frau wurde von Nachbarn als stark alkoholabhängig geschildert, die nicht mehr Herr ihrer Sinne gewesen sei. Sie sei psychisch krank gewesen. Täglich habe sie gekeift und ihren Ehemann mit Schimpfwörtern, wie „Dreckschwein“ und Kinderf...“ tituliert.