Dessau-Roßlau l Im dritten Anlauf hat es nun geklappt und die Mutter des getöteten Babys Noël, Annemarie R., konnte gestern von der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Dessau befragt werden. Beim Auftakt des Indizienprozesses war sie nach Hause geschickt worden, weil sich die Aussage ihres angeklagten Ehemannes Mario R., in die Länge gezogen hatte. Den zweiten Termin am 10. Januar hatte sie verschlafen.

Annemarie R. machte zwar von ihrem Aussageverweigerungsrecht keinen Gebrauch, betonte allerdings, dass sie von Misshandlungen ihres Säuglings durch den Angeklagten nichts mitbekommen habe. Auch im Vorfeld des Todestages, dem 7. Januar 2014, habe sie nicht bemerkt, das Noël misshandelt worden ist.

Die Obduktion des sieben Wochen alten Kindes hatte allerdings etwas anderes festgestellt. Rechtsmediziner hatten sowohl ältere Rippenbrüche, als auch neue Verletzungen durch vielfacher stumpfer Gewalt festgestellt, darunter auch einen dreifachen Schädelbruch. Gestorben war das Kind an einem Schütteltrauma mit daraus folgendem Herz-Kreislaufversagen.

Der Angeklagte streitet ab, Noël misshandelt zu haben. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Rechtsanwalt Klaus Rumph kündigte gestern an, eventuell weitere Beweisanträge zu stellen. Ob es sich dabei um Dinge handelt, die seinen Mandanten entlasten und die Ehefrau möglicherweise belastet, wird sich zeigen. Das Umfeld von Mario und Annemarie R., die zwei weitere kinder hat und unter Beobachtung des Jugendamts stehen, sprechen davon, dass der 39-Jährige seiner Ehefrau „hörig“ ist.

Das Urteil wird am 31. Januar erwartet.