Magdeburg l Das nun bekannt gewordene Gutachten von Ernst & Young vom 6. Mai kommt zum Urteil, dass in etlichen Bereichen der Uniklinik durch „unzureichende Hygienestandards und grobe bauliche Mängel“ eine „akute Patientengefährdung und Gefährdung der Mitarbeiter“ gegeben seien. Das sei „seit vielen Jahren“ der Fall. In diesen Kliniken konstatieren die Gutachter sogar „höchste Patientengefährdung“:

Hautklinik: Kritisiert werden „systematische Mängel“ mit Blick auf Brandschutz und Hygiene. Die Traglast der Decken sei gering. Es gebe keine Möglichkeit für Adipositas-Schwerlastbetten. Der OP-Bereich wird als „desolat“ beschrieben. In den Sanitäranlagen gebe es zum Teil Schimmelbildung. Ein Neubau oder eine Klinikverlegung werden „dringend empfohlen“.

Frauen-/Kinderklinik: Höchste Patientengefährdung wird durch „unzureichende Hygienestandards“ konstatiert. Keimübertragung sei jederzeit möglich. Fluchtwege seien eingeschränkt. Es gebe Brandschutzrisiken.

Zentrale Sterilgut-Versorgungsabteilung: Hier werden Instrumente für die gesamte Klinik sterilisiert. Die Gutachter sehen „hohes Hygienerisiko“, etwa durch feuchtes OP-Besteck. Instrumente der Augenklinik würden im unreinen Arbeitsbereich sterilisiert. An den Sterilisatoren befinde sich Rost.

Hämatologie und Onkologie: Die Gutachter kommen zum Ergebnis, dass ein „hohes Hygiene- und Infektionsrisiko für Patienten und Mitarbeiter“ besteht. Die Rede ist von „Keimbelastung in Siphons“ und mehrfacher Überschreitung des „technischen Maßnahmenwertes für Legionellen“. Der Vorstand hat die Klinik daher vor Tagen geschlossen.

Einen Neubau der Küche halten die Gutachter für „akut erforderlich“. Sie kritisieren Hygienerisiken, mangelhaften Brandschutz und mangelhafte Elektrik. Die Rede ist von Vereisung an Wänden, Schimmelbildung oder defekten Wänden.

Für das Rechenzentrum werden „hochgradige Sicherheitsmängel durch inadäquaten Zugangsschutz“ sowie eine „Gefährdung durch Wasserschäden“ konstatiert. Die Rede ist von „höchstem Datenschutzrisiko“.

In Auftrag gegeben hatte das Gutachten der seit März im Amt befindliche neue Ärztliche Direktor der Uniklinik, Hans-Jochen Heinze. „Es ging mir darum, eine Grundlage zu schaffen, um verantwortliche Entscheidungen treffen zu können“, sagte er gestern. Alle von den Prüfern bemängelten Punkte seien in Arbeit und unter Kontrolle: „Eine Gefahr für die Patienten bestand zu keiner Zeit“, so Heinze.