Magdeburg l Vor fünf Jahren noch hatte die Landesregierung erhebliche Rückgänge bei den Studentenzahlen erwartet und deutliche finanzielle Kürzungen angedroht. Die Zeiten sind vorbei. Die zehn Hochschulen und Universitäten Sachsen-Anhalts verzeichnen mit knapp 55.000 Studierenden eine konstant hohe Nachfrage. Die Bilanz wird vor allem durch die Ausländer erhellt: Mittlerweile streben fast 7400 von ihnen hier Abschlüsse an. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagte Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) gestern bei der Präsentation der Zahlen in Magdeburg. Vor allem freut ihn, dass fast die Hälfte der Ausländer Ingenieur-Fächer belegen. Die Unternehmen suchen schließlich händeringend kompetenten Nachwuchs. Bei den deutschen Studenten entscheiden sich nur 20 Prozent fürs Technische. Die meisten (45%) zieht es zu Jura, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Allerdings wurde bislang nicht erfasst, wie viele von den Ausländern nach dem Abschluss im Bundesland bleiben. Untersuchungen dazu stehen noch aus, mit ersten Ergebnissen sei in vier, fünf Jahren zu rechnen sagte Sachsen-Anhalts oberster Statistiker Michael Reichelt.

Die meisten Ausländer kommen unverändert aus China. Stark gewachsen ist der Zulauf aus Indien. Unter den europäischen Ausländern sind vor allem Ukrainer und Russen. West- oder Südeuropäer finden kaum den Weg nach Sachsen-Anhalt. Mit einem Ausländer-Anteil von 13 Prozent liegen die Hochschulen hier im deutschen Mittel. Besonders beliebt sind die Hochschule Anhalt in Köthen (27%) und die Uni Magdeburg (19%). Beide bieten vor allem ingenieurtechnische Richtungen an.

Auch innerhalb Deutschlands gewinnt Sachsen-Anhalt durch seine Hochschulen. Unter dem Strich kommen mehr Studienanfänger aus anderen Bundesländern hierher als sachsen-anhaltische Abiturienten ihre Heimat zum Studieren verlassen. 2016 betrug das Wanderungsplus gut 1100. Den größten Anteil machen Niedersachsen aus. Diese Wanderung von West nach Ost wird durch den Hochschulpakt gefördert. Für jeden Anfänger erhält das Land 13.000 Euro vom Bund.

Wie geht es weiter? Die Geburtenzahlen haben sich jetzt zwar stabilisiert; allerdings waren sie von 2000 bis 2010 noch deutlich gesunken, was die Hochschulen spüren werden. Willingmann ist daher daran interessiert, dass der Hochschulpakt über 2021 weiter geht. Zugleich werden aber auch westdeutsche Hochschulen – wie in Niedersachsen - den demografischen Wandel spüren und versuchen, Studenten und Angebote zu halten. „In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden wir deutschlandweit einen Rückgang haben“, denkt Magdeburgs Uni-Rektor Jens Strackeljan. Daher dürfe man in der Werbung nicht nachlassen. „Der Wettbewerb wird härter.“