Dessau-Roßlau l Es ist ein Rücksckschlag für den deutschen Impfstoffhersteller IDT Biologika. Die Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) beobachteten in der ersten klinischen Studie nur schwache Immunreaktionen bei den Probanden. Das DZIF hat den Impfstoff gemeinsam mit IDT entwickelt. Das Dessauer Unternehmen mit rund 1500 Mitarbeitern erhielt dafür eine Förderzusage der Bundesregierung über 114 Millionen Euro. Wie es nun weitergeht mit der Impfstoffentwicklung, erläutert IDT-Chef Jürgen Betzing im Interview mit der Volksstimme.

Herr Betzing, die Immunreaktionen Ihres Impfstoffs sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Werden Sie die Entwicklung des Vakzins fortsetzen?

Ja. Wir wissen ziemlich sicher, wie wir den Impfstoff optimieren können. Wir wollen die Phase eins jetzt wiederholen. Es war sehr positiv, dass es bislang keine großen Nebenwirkungen gab. Aber die spezifische Immunreaktion liegt wirklich unter unseren Erwartungen. Ein Rückschlag, aber das haben andere Firmen auch. Wir wollen weitermachen und zeigen, dass wir einen Impfstoff entwickeln können, der ein Mehrwert für die Gesellschaft ist.

Können Sie konkreter sagen, wie wirksam der Impfstoff in der ersten Erprobung war?

Nein, wir sind in Phase eins der klinischen Prüfungen. Da geht es um die richtigen Dosierungen und Reaktionen des menschlichen Körpers. Eine klare Aussage mit Quote zur Wirksamkeit können wir da nicht treffen.

Ist es möglich, den Impfstoff in kurzer Zeit zu optimieren?

Ja, das geht. Wir haben schon daran gearbeitet und können nun relativ zügig weitermachen. Eine Verzögerung wird es natürlich geben, wir fahren jetzt eine Sonderschleife. Wären unsere Erwartungen erfüllt worden, wären wir jetzt in Phase zwei eingestiegen.

Wann kann es mit der Wiederholung der ersten Phase losgehen?

Es sind noch einige Punkte offen. Zum Beispiel müssen wir vom Paul-Ehrlich-Institut eine Genehmigung dafür bekommen. Die müssen wir wieder neu beantragen. Es ist aber nicht so, dass wir wieder bei null anfangen. Wir können die Ergebnisse nutzen, die wir haben. Unsere Absicht ist, im April oder Mai weiterzumachen.

Eine Marktzulassung hatten Sie zuletzt für Ende dieses Jahres in Aussicht gestellt. Ist das noch realistisch?

Das hängt von den Ergebnissen ab. Ich kann da momentan keine Aussage zu machen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will bis zum Sommer allen Deutschen ein Impfangebot machen. Wer soll mit Ihrem Impfstoff geimpft werden?

Wir müssen unsere Ergebnisse abwarten. Es geht jetzt erst einmal darum, einen Impfstoff zu entwickeln, der unsere Sicherheitskriterien erfüllt und eine gute Alternative darstellt.

Nun haben wir aber schon einige Impfstoffe auf dem Markt, die wirksam sind. Welche Vorteile hätte denn Ihr Impfstoff im Vergleich zu denen, die bis jetzt zugelassen sind?

Unser Impfstoff greift auf ein altbekanntes System zurück, die MVA-Vektor-Technologie. Das System wird schon längere Zeit bei anderen Impfstoffen eingesetzt. Ich glaube, unser Impfstoff hat ein sehr sicheres Profil. Zweitens wurde bei anderen Anwendungen von Impfstoffen aus dieser Gruppe auch bei älteren Patienten eine gute Verträglichkeit nachgewiesen.

Bräuchte er eine Kühlung im Minusgradbereich wie etwa der Biontech-Impfstoff?

Wir gehen davon aus, dass normale Kühlschrank-Temperaturen nötig sein werden, wie bei anderen Vektor-Impfstoffen auch. Das ist ein Vorteil.

Könnten Sie ihn auch billiger anbieten als Moderna oder Biontech?

Wir wollen erst einmal ein Produkt entwickeln, das einen sicheren Schutz für die Menschheit bietet. Alles andere ist zweitrangig.

Können Sie sagen, wie viel Sie bislang in die Impfstoff-Produktion investiert haben?

Unser Konsortium hat eine 95-prozentige Förderung erhalten für die Entwicklung und die medizinischen Studien.

Das wirtschaftliche Risiko ist also letztendlich überschaubar für Sie, falls am Ende doch kein marktreifer Impfstoff herauskommen sollte?

Es ist relativ überschaubar. Allerdings sind unsere Produktionskapazitäten nicht unendlich und wir müssen darauf achten, dass wir diese Kapazitäten wirtschaftlich nutzen. Aber wir haben den Ehrgeiz, unseren Beitrag für die Gesellschaft in der Pandemie mit einem eigenen Impfstoff zu leisten.