Magdeburg l Die Corona-Krise hatte im Norden Sachsen-Anhalts noch keine spürbaren Auswirkungen auf die wilde Entsorgung von Müll in der Natur. Das ergab eine Umfrage der Volkstimme im gesamten Verbreitungsgebiet, zu dem insgesamt sieben Landkreise und die Stadt Magdeburg gehören. Nur drei Verwaltungen meldeten einen leichten Anstieg, sehen jedoch keinen Zusammenhang mit der Corona-Krise.

„Im Vergleich zu 2019 ist während der Covid-19 Pandemie ein leichter Anstieg der illegal entsorgten Abfälle beim Ordnungsamt zu verzeichnen“, teilte Michael Reif, Pressesprecher der Landeshauptstadt, mit. Territorial gebe es während der Krise innerhalb der Stadt klare Unterschiede. In den Wohngebieten sei keine Zunahme von illegal entsorgtem Müll zu verzeichnen. In den Außenbezirken sei die Situation anders. „Besonders in den Bereichen ohne dauerhaften Personenverkehr sind sowohl die Fälle von illegalen Müllablagerungen als auch die Abfallmenge angestiegen“, so Reif weiter.

Unabhängig von Corona

Diese Rückmeldung kommt auch aus dem Landkreis Börde. „Bei der illegalen Abfallentsorgung in der freien Landschaft ist festzustellen, dass zunehmend größere Mengen Renovierungs- und Sanierungsabfälle sowie Abfälle von Haushaltsauflösungen entsorgt werden“ sagte Uwe Baumgart, Pressesprecher des Kreises. Diesen Trend hätten die Fachleute jedoch bereits vor Covid 19 festgestellt.

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„Eine zunehmende Tendenz ist zu erkennen. Diese wird jedoch nicht in Zusammenhang mit der Corona-Krise gesehen“, antwortete Ralf Felgenträger, Leiter des Kreiswirtschaftsbetriebes (KWB) des Salazlandkreises, auf die Anfrage der Volksstimme. „Vielmehr gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Hemmschwelle, Ordnungswidrigkeiten und Straftaten zu begehen, gesunken ist. Der gesellschaftliche Umgangston hat sich insgesamt verändert“, so Ralf Felgenträger weiter. Im Altmarkkreis Salzwedel und in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld,Harz, Jerichower Land und Stendal stellen die Fachleute in den Verwaltungen keine Zunahme der illegalen Müllentsorgung in der Natur fest.

Obwohl die Verwaltungen nahezu übereinstimmend zu dem Ergebnis kommen, dass die Menge des wild entsorgten Mülls nicht zunimmt: Über die Qualität all dessen, was achtlos oder vorsätzlich in der Natur abgelegt wird, herrscht allgemeines Kopfschütteln. „Es wird alles illegal entsorgt. Von A wie Asbest bis Z wie Zahnbürste“, fasste Angela Vogel, Leiterin des Büros des Landrates im Landkreis Stendal zusammen. „Es wurde auch schon ein ausgeschlachteter Wohnwagen gefunden oder ein ganzes Haus, was zuvor irgendwo abgerissen und dann im Wald in einer Senke verkippt und anschließend mit Erde aufgefüllt wurde“, nannte Birgit Eurich, Sprecherin des Altmarkkreises Salzwedel, auf die Frage nach den schlimmsten Verfehlungen mit. „Negativstes aktuelles Beispiel bei uns ist eine Gewässerverunreinigung durch illegal entsorgte Farbeimer im April dieses Jahres in Derenburg“, sagte Franziska Banse von der Pressestelle des Landkreises Harz.

Im Landkreis Jerichower Land fanden im Frühjahr wieder Müllsammel-Aktionen statt. „Bei einem Termin wurden rund 20 Kubikmeter Hausmüll, zehn Asbestplatten, cirka anderthalb Tonnen Schrott, drei Autobatterien, zwei Fernseher und fast 45 Autoreifen aus den Wäldern und der übrigen freien Landschaft in der Umgebung der Kreisstadt Burg gesammelt“, berichtete Pressesprecherin Claudia Hopf-Koßmann.

Streifen gibt es nicht

Spezielle Streifen, beispielsweise durch Mitarbeiter der Ordnungsämter der Städte und Gemeinden, gibt es nach übereinstimmenden Angaben der verwaltungen nicht. Meist reagieren die Behörden auf entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung, heißt es. Ralf Felgenträger, Leiter des KWB im Salzlandkeis, ergänzte: „Was aber bei jedem gemeldeten und aufgenommenen Müllhaufen gemacht wird, ist, nach Hinweisen zu suchen, welche Rückschlüsse auf den Besitzer zulassen, der seinen Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt hat.“ Der Landkreis Harz teilte mit: „Die Mitarbeiter des Umweltamtes, die im Rahmen ihrer Tätigkeit auch im Außendienst unterwegs sind, nehmen bei Auffinden dieser Abfälle den Sachverhalt, also auch die Abfallmenge und das Gefährdungspotenzial auf.

Die Umweltsündern stellen den Elektroschrott, Sperrmüll, Bauschutt, die Reifen, Farbe und Autobatterien meist an Waldrändern oder auf schwer einsehbaren Feldwegen ab. Das ist kein Kavaliersdelikt. „Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 2550 Euro geahndet werden“, sagte dazu Angela Vogel, Leiterin des Büros des Landrates im Landkreis Stendal.