Magdeburg l Wie hält es Sachsen-Anhalt gut drei Jahre nach der großen Flüchlingswelle mit der Integration von Ausländern? Eine Antwort darauf gibt der 168-seitige Integrationsbericht des Landes, der am Donnerstag in Magdeburg vorgestellt wurde. Danach leben 110.600 Ausländerinnen und Ausländer im Land (Stand April 2018). Obwohl sich die Zahl gegenüber 2011 nahezu verdoppelt hat, was vor allem auf die Aufnahme vieler Schutzsuchender in den Jahren 2015/16 zurückzuführen ist, ist sie im Bundesvergleich sehr gering. So betrifft der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund lediglich vier Prozent der Gesamtbevölkerung Sachsen-Anhalts. Bezogen auf 82,5 Millionen Einwohnern in Deutschland insgesamt, liegt der Ausländeranteil bei rund 12,5 Prozent.

Im Oktober 2017 gingen mehr als 27.000 Ausländerinnen und Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, die Anzahl ausländischer Auszubildender lag bei über 1000. Dem Bericht zufolge bildet der Erwerb der deutschen Sprache dafür den Grundstein. Integrationskurse und berufsbezogene Sprachfördermaßnahmen seien dafür der beste Weg. Aktuell absolvieren 7342 Ausländerinnen und Ausländer eine Qualifizierungs- und Sprachfördermaßnahme.

Auch für Petra Grimm-Benne (SPD), Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, sind Sprache, Arbeit und Bildung „Türöffner“ für eine erfolgreiche Integration. Deshalb werden hier auch in Zukunft die Schwerpunkte gesetzt, erklärte sie bei der Vorstellung des Berichtes für den Zeitraum von 2011 bis 2016: „Ich bin sehr stolz auf die Zahlen und Projekte, mit denen wir vielen Vorurteilen begegnen können.“ Zwar habe manches viel länger gedauert, als erwartet, „aber wir zeigen inzwischen, dass wir ein Einwanderungsland sein können“.

Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte des Landes, sieht in einer erfolgreichen Integration „eine enorme Chance für Sachsen-Anhalt. Wir brauchen Zuwanderung, weil sie hilft, den demografischen Wandel zu bewältigen, Nachwuchs auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu sichern und kulturelle Vielfalt zu stärken“.

Weil Integration immer vor Ort stattfindet, unterstützt das Land die Kommunen u.a. dabei, Koordinierungsstellen aufzubauen, lokale Integrationskonzepte zu entwickeln und Netzwerke zu pflegen. Das Familienhaus in Magdeburg, wo der Bericht gestern vorgestellt wurde, ist beispielhaft für gelebte und gelungene Integration. „Ob Mütterfrühstück, Sommerfeste oder Sonntagsflohmarkt – wir haben vielfältige Angebote entwickelt, wo sich Familien unterschiedlicher Herkunft kennenlernen, austauschen und unterstützen können“, berichtet Marina Wölk. Magdalena Schlenker vom Psychosozialen Zentrum für Migranten verwies indes auf 300 Hilfesuchende, die 2017 therapeutisch begleitet werden konnten: „Doch die Zahl der Traumatisierten steigt, weil sich viele erst jetzt um ihren Gesundheitszustand kümmern können, nachdem ihre Existenz gesichert ist.“