Volksstimme: Frau Grimm-Benne, nur Monate, nachdem Sie einen neuen Krankenhausplan fürs Land vorgelegt haben, stehen gleich mehrere Kliniken auf der Kippe. Darunter Havelberg, die Kinderklinik Gardelegen oder die Frauenheilkunde in Bitterfeld. Rächt sich jetzt, dass Sie unbequeme Weichenstellungen vermieden haben, als diese angezeigt waren?

Petra Grimm-Benne: Unsere Krankenhausplanung setzt auf Versorgung in der Fläche und auf Schwerpunktbildung. Krankenhausplanung ist ein komplexer Prozess. Entscheidend sind die zusätzlichen Rahmenvorgaben. Auf deren Grundlage bewerben sich die Krankenhäuser um Aufnahme mit bestimmten Abteilungen in den Krankenhausplan, weil sie sagen: Was da gefordert ist, können und wollen wir leisten. Ob das auch so ist, wird auch anhand der Qualitätsvorgaben des Bundes geprüft.

Ist der Krankenhausplan aufgestellt, ist das die Liste, aus der hervorgeht, für welche stationären Behandlungs-Leistungen die Krankenkassen bereit sind zu zahlen. Die genaue Zielrichtung wird erst klar, wenn man sich zusätzlich die Rahmenvorgaben anguckt. Dort haben wir für jede Region, jedes Haus mit Blick auf 2030 sehr genau geschaut: Wie ist die demografische Entwicklung, wie die Fallzahlen. Und da wird dann beispielsweise deutlich: Das Altmark-Klinikum wird auch mit Blick auf die Kindermedizin als Ganzes betrachtet, nicht die Standorte Gardelegen und Salzwedel getrennt.

Im Krankenhausplan steht ein Kreuz hinter dem Altmark-Klinikum. Wie die Versorgung erfolgen soll, bleibt vollkommen offen.

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Wenn Sie auf das konkrete Angebot vor Ort abzielen, haben Sie recht. Der Krankenhausplan legt fest, dass es eine Kinder- und Jugendmedizin am Altmarkklinikum gibt. Aber er sagt nicht, wie das Angebot an den Standorten zu strukturieren ist. Das gilt für das Altmark-Klinikum, aber zum Beispiel auch für den Burgenlandkreis und für Aschersleben-Staßfurt, die ebenfalls je zwei Standorte haben.

Im Rahmenplan, der die Grundlage für den Krankenhausplan bildet, wird jedenfalls deutlich, dass man eine unterschiedliche Entwicklung beider Standorte braucht. Außerdem – auch das steht in den Vorgaben: Gerade die Pädiatrie ist eine hochspezialisierte Fachmedizin mit hohen Qualitätsanforderungen. Man braucht bestimmtes Fachpersonal und Mindest-Fallzahlen, wenn man z.B. Frühgeborene versorgen will. Der Bund hat das so vorgegeben, weil Fälle von Frühchen bekannt geworden sind, in denen diese in Pädiatrien nicht erstklassig behandelt worden sind.

Also stationäre Kindermedizin am Altmark-Klinikum nur noch in Salzwedel?

In Gardelegen wollen wir die Notfallversorgung aufrechterhalten, es wird Sprechstunden geben, auch an den Wochenenden. Und es wird Betten geben. Das habe ich zugesagt. Voraussetzung ist immer, dass zusätzliche Kinderärzte gewonnen werden können. Aber das Angebot wird sich ändern müssen, stärker ambulant ausgerichtet sein. Das ist der Weg, von dem auch die Krankenkassen gesagt haben, dass sie bereit wären, ihn mitzufinanzieren. Entscheiden wird aber der Aufsichtsrat. Wie unsere Mitglieder dort abstimmen, entscheidet das Kabinett. Wir werden eine Vorlage dafür vorlegen; derzeit ist das Papier in der Abstimmung zwischen den Ressorts.

Das komplette Interview lesen Sie in der gedruckten Volksstimme vom 22. August 2020 oder im E-Paper.