Atzendorf l Aus und vorbei. 11 von 18 Kameraden haben am Montag dieser Woche schriftlich ihren Austritt erklärt, weitere wollen folgen oder einfach nicht mehr zum Dienst erscheinen. Der Ex-Gerätewart Matthias Rasehorn sagt: „Das ist das Ende der Feuerwehr Atzendorf.“ Hintergrund ist ein jahrelanger Zoff zwischen Stadtverwaltung in Staßfurt als Aufsicht der Ortsfeuerwehr und den Kameraden.

Der Höhepunkt des Clinchs kam am Sonnabend: Die Stadt Staßfurt rückte mit Mitarbeitern und Schlüsseldienst an. Sie hatte von dem Austrittsvorhaben der Kameraden schon vorher erfahren und wollte ihnen offenbar zuvorkommen. Am Sonnabend wurden die Feuerwehrleute, die sich im Gerätehaus treffen wollten, vom Grundstück verwiesen. Die ausgefüllten Austrittserklärungen nahmen die Verwaltungsmitarbeiter gleich mit.

Viele Unstimmigkeiten

Schon seit Jahren gibt es Unstimmigkeiten mit der Stadtverwaltung. Man habe keine Probleme ansprechen dürfen, ohne dass die Mitarbeiter der Verwaltung explodierten. Jedes Thema führte zum Streit, erzählen die Kameraden.

Die Gründe für die Streiterei sind für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Einige Beispiele:

Vor knapp drei Jahren installierte ein Stadtmitarbeiter eine Wildkamera am Feuerwehrgerätehaus – zunächst ohne Rücksprache mit den Feuerwehrleuten. Man habe sich überwacht gefühlt, erzählen sie. Die Stadt wiederum habe Einbrüchen vorbeugen wollen.

Zoff wegen der Ausstattung

Auch wegen der Ausstattung der Feuerwehr gab es Zoff. Einen Feuerwehrspind gab es auf Wunsch nicht, Putzmittel war erst nach Bedarfsabfrage von der Stadt zu bekommen.

Richtig bizarr wurde es in Atzendorf dann beim Wappenstreit. An ein neues Feuerwehrauto klebten die Kameraden stolz das Wappen ihres Dorfes. Das war der Staßfurter Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. Schließlich ist Atzendorf ein Ortsteil von Staßfurt. Das Dorfwappen wurde entfernt und das Staßfurter Wappen ans Feuerwehrauto geklebt. Den Atzendorfern wiederum sei es nicht bewusst gewesen, dass sie das Ortswappen nicht hätten anbringen dürfen.

Der Wappenstreit eskalierte schließlich bei einer Weihnachtsfeier. Ein Scherzbold brachte das Wappen der Stadt Staßfurt im Kleinformat in einem Pissoir an. Die ehemalige Wehrleitung sagt, sie wisse nicht, wer das war – mit dem Pissoir.

Scharfe Konsequenzen

Die Stadtverwaltung Staßfurt reagierte mit scharfen Konsequenzen – und zeigte die Kameraden bei der Polizei an. Der Vorwurf: Beleidigung. Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) fühlte sich persönlich beleidigt und erstattete Anzeige. Mehrere Kameraden mussten einzeln bei der Polizei antreten, um im Wappen-Toilettenstreit eine Aussage zu machen.

Nach Polizeiangaben wurde der Fall inzwischen zu den Akten gelegt – der Täter blieb unbekannt.

Im Dezember gab es auch Streit um die Feuerwehrbekleidung der Atzendorfer. Die Stadtverwaltung war der Ansicht, dass neue Bekleidung in die allgemeine Kleiderkammer der Stadtwehr nach Staßfurt soll. Die Kameraden wiederum sahen keinen Anlass, diese Kleidung an die Stadt abzugeben, da sie für die Ortswehr Atzendorf gespendet worden war. Ein abgeschlossener Raum in der Feuerwache wurde schließlich von Staßfurter Verwaltungsmitarbeitern aufgebrochen, um die Bekleidung einer Inventur zu unterziehen.

Keine Einigung

Im Januar gab es den letzten Versuch, wieder zueinander zu finden. Wehrleitung, Verwaltungsmitarbeiter und Oberbürgermeister kamen zum Gespräch zusammen. Gebracht hat es nichts. Die Meinungsunterschiede blieben bestehen.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht – vor allem für alle Atzendorfer. Brennt es in Zukunft im Dorf, rückt die benachbarte Löderburger Ortswehr aus. Die Einsatzbereitschaft für den Ort sei sichergestellt. Trotz längerem Anfahrtsweg sei man rechtzeitig vor Ort, beteuert die Stadt Staßfurt.