Haldensleben l Schon der Urvater der Etikette, Adolf Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge, wusste: „Sei pünktlich, ordentlich, arbeitsam und fleißig in deinem Beruf“. Um die Zehntklässler der evangelischen Sekundarschule am Süplinger Berg in Haldensleben auf ihr außerschulisches Leben vorzubereiten, stand für sie die Woche nach den Herbstferien unter dem Motto: „Bewerbungs- und Etikette-Training“. Hierzu holten sich Schulleiterin Pia Kampelmann und ihre Lehrkräfte Profis mit an Bord, um den Schülern Fachwissen aus der Praxis zu vermitteln.

Zwei dieser Profis sind der Allianz-Generalvertreter aus Haldensleben, Stefan Ströer, und ebenfalls von der Allianz, Steffen Horn, zuständig für die Auszubildenden und Personalgespräche im Unternehmen. Beide waren in der Woche in der evangelischen Schule, um den Schülern Tipps für das korrekte Bewerbungsschreiben und sicheres Auftreten bei einem Vorstellungsgespräch zu vermitteln. Schließlich weiß Ströer genau: „Die Zukunft sitzt hier!“

Bevor sich die Schüler aber im Vorstellungsgespräch üben konnten, stand Theorie auf dem Lehrplan. Vorab wollte Steffen Horn von den Schülern wissen, „Was wollt ihr denn eigentlich mal werden?“ Nach etwas Zögern kamen Berufswünsche wie Zollbeamter, Polizist, Altenpfleger und Geomatiker von den Zehntklässlern als Antwort.

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Mit Tipps zur perfekten Bewerbung

Dass es hierbei nicht um den Berufswunsch an sich geht, sondern vielmehr darum, sich korrekt zu bewerben und vorzustellen, stellte Horn gleich zu Anfang klar. „Sie sollten sich vor einer Bewerbung mit dem Unternehmen eingehend beschäftigen“, riet Horn den Schülern und fügte an, dass sie ihre Person beim künftigen Arbeitgeber gut verkaufen müssen. So ging Horn mit den Schülern die „perfekte Bewerbung“ durch, gab Tipps und Kniffe mit auf dem Weg, wie sie sich am besten verkaufen können. Diese reichten von der Bewerbungsmappe über das Anschreiben bis hin zum Foto, welches sie besser bei einem professionellen Fotografen machen sollen.

Nach der Theorie folgte schließlich die Praxis. Für ein fiktives Vorstellungsgespräch setzten sich Horn und Ströer in den Nachbarraum und empfingen einzeln die Schüler zum Gespräch. Einer dieser Schüler war Iven Fejes (15), welcher als Erster in das Gespräch ging. Horn leitete es wie bei einem richtigen Vorstellungsgespräch. „Wo kommen Sie her, wie sind Sie auf unser Unternehmen gekommen und wie stellen Sie sich die Arbeit bei uns vor“, wollte Horn unter anderem von dem Schüler wissen. Etwas nervös beantwortete Iven die Fragen der fiktiven Chefs.

Zu jedem Gespräch saßen zudem immer noch zwei weitere Schüler im Raum, um sich Notizen machen zu können, wie sie das Gespräch rückblickend bewerten. Am Ende gaben Horn und Ströer den Schülern Tipps, was sie beim nächsten Mal verbessern können. „Sie waren gekennzeichnet von einer hohen Ehrlichkeit“, sagte Horn dem 15-Jährigen Iven, „vielleicht manches Mal zu ehrlich“, fügte er mit zwinkerndem Auge an.

Wiener Walzer und Discofox

Bereits einen Tag davor konnten sich die Schüler im Krawatten binden üben. Da das Binden von Krawatten aber kaum einer der jungen Menschen beherrscht, stand auch das auf dem Lehrplan. „Das fällt nicht nur den Schülern schwer“, sagte Lehrerin Britta Meyer.

Neben dem Binden der Krawatten stand an den ersten Tagen der Woche auch Tanzen auf dem Lehrplan der Zehntklässler. Wie Dozentin Carola Richwien wusste, können heute die Wenigsten klassische Tänze. „Das müssen sie aber beim Abschlussball, der eigenen Hochzeit und anderen Festanlässen können“, befand Richwien. So wurde neben dem Walzer und dem Wiener Walzer auch der Discofox geübt.

Zur Knigge-Königsdisziplin gehört gewiss auch das richtige Eindecken zu Festanlässen sowie die korrekte Etikette zu Tisch. Hierzu war Richwiens Tochter Vanessa als Fachfrau vor Ort. Die Restaurantmeisterin erklärte den Zehntklässlern die Besteckfolge auf der Festtafel, welches Besteck wofür gedacht ist, wie eine Servierte gefaltet wird, wo die Gläser hingehören und natürlich auch wie die Schüler bei Festessen die Speisen zu sich nehmen sollten. „Ich finde es wichtig im Leben, dass ich das kann, gerade auch wenn ich Gäste bekomme“, sagte die 15-Jährige Schülerin Elisabeth Wolff, nachdem sie einen Platz nach den Vorgaben der Meisterin eindeckte.

Am letzten Tag der Etikette-Woche stand für die Schüler noch ein Besuch der Behindertenwerkstatt von der Lebenshilfe in Hundisburg auf dem Programm, wo sich die Zehntklässler ein Bild vom Umgang mit Menschen mit Behinderungen machen konnten.

So schloss sich für die Schüler der evangelischen Sekundarschule auf dem Süplinger Berg eine ereignisreiche Woche, bei der Knigges Tugenden Aktuell waren wie eh und je: „Sei ernsthaft, bescheiden, höflich, ruhig, wahrhaftig. Rede nicht zu viel. Und nie von Dingen, wovon du nichts weißt.“