Magdeburg l Die Rückkehr vieler Eltern in Büro oder Betrieb setzt Kitas, Horte und Schulen in Sachsen-Anhalt zunehmend unter Druck. Zwei Monate nach Schließung der Einrichtungen nehmen immer mehr Eltern die erweiterte Notbetreuung des Landes in Anspruch.

In den 448 Grundschulen Sachsen-Anhalts etwa stieg die Zahl betreuter Schüler von 600 am 19. März auf fast 4100 am 15. Mai. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Kitas. Noch am 2. April besuchten 6883 Kinder eine Tagesstätte. Am 5. Mai lag die Zahl bei 35 000, teilte das Sozialministerium mit. Damit ist fast ein Viertel der Kinder (23,4 Prozent) zurück in der Betreuung.

Belegung teils bei 50 Prozent

Erste Einrichtungen stoßen dabei an Grenzen. Der Grund: Trotz wachsender Kinderzahlen dürfen Kindergärten wegen der Pandemie pro Gruppe maximal zwölf Kinder betreuen. In der Krippe liegt der Schlüssel bei nur sechs Kindern je Erzieher.

„Wir leiden an dieser Grenze“, sagt Adrian Einecke, Bereichsleiter der Tagesbetreuung bei der „Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg“. In Magdeburg betreibt der freie Träger elf Kitas, acht Horte und zwei Schulen. „Wir haben weder Platz noch Mitarbeiter, die die kleinen Gruppen betreuen könnten“, sagt Einecke. Der Organisationsaufwand sei enorm. Ähnlich ist die Lage in Wernigerode. Hier sind die Kitas nach Angaben der Stadt bereits zu einem Drittel belegt, Tendenz „rapide steigend“. Eine Notbetreuung könne seit Wochenbeginn nicht mehr personell gestemmt werden, ergänzte eine Stadtsprecherin.

Vorerst doch keine Öffnung für alle

Die 99 städtischen Kitas in Magdeburg sind ebenfalls wieder zu einem Drittel belegt. „Die Umsetzung der Notbetreuung unter den Vorgaben des Landes stellt für die Träger eine enorme Herausforderung dar“, sagte Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra. Auch der Kreis Stendal meldet laut Städte- und Gemeindebund (SGSA) 30 Prozent Belegung. Betrachtet man nur Krippen und Kindergärten, sind es gar 50 Prozent. „Dies noch als Notbetreuung zu werten, entbehrt jeder Grundlage“, schrieb SGSA-Kreisverbandschef Nico Schulz an Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Angesichts der Lage fordert er, den Normalbetrieb wieder aufzunehmen – unter hygienischen Vorgaben, aber ohne die geltenden Abstandsregeln.

Grimm-Benne strebt entgegen früherer Ankündigungen nach Pfingsten nur die nächste Erweiterung des Kreises der Anspruchsberechtigten für die Notbetreuung statt einer Öffnung für alle Kinder an. Diskutiert würden Modelle, bei denen Kinder abwechselnd in die Kita kommen, so eine Sprecherin. Näheres will die Landesregierung im „Sachsen-Anhalt-Plan“ festlegen, der nächste Woche beraten wird.

Die Gewerkschaft GEW forderte für die weitere Kita-Öffnung landesweit gültige Hygienepläne. Der Schutz von Personal und Kindern müsse oberste Priorität haben. Die Linke warf Grimm-Benne mangelnde Krisenstrategie und widersprüchliche Ankündigungen vor.