Hecklingen l Glockengeläut – für viele ist es unverzichtbarer Bestandteil der Heimatkultur, ein Stück Tradition. Hochzeiten, Gottesdienste, Bestattungen, die Taufe eines Kindes – zu bestimmten Anlässen wird in einer bestimmten Form geläutet. Der Klang ist von Kirchturm zu Kirchturm verschieden. Der Laie hört die Unterschiede nicht. Wer sich auskennt, weiß um die Besonderheiten. Die gegossenen „Riesen“ haben spezielle Betreuer. Mit dem Hecklinger Pfarrer Kornelius Werner hat Anhalt künftig wieder einen Glockensachverständigen. Er ist für 388 Glocken der Landeskirche zuständig.

Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2013 hatte Landeskirchenmusikdirektor Martin Herrmann diese Aufgabe übernommen. Danach ging sie an den Glockensachverständigen Christoph Schulz.

Glocken und Glockengeläut haben den heute 37-jährigen Kornelius Werner schon in früher Kindheit fasziniert. In Bad Düben kletterte der Pfarrerssohn immer wieder auf den Kirchturm. Das sei sein Revier gewesen, erzählt er. Vermutlich habe sich damit auch das Interesse für Glocken und alles, was damit zu tun hat, angefangen sich zu entwickeln. Und später begleitete er mit 15 oder 16 Jahren in Ballenstedt Andreas Philipp, heute Glockensachverständiger der Landeskirche Hannovers.

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Dieser inventarisierte alle anhaltischen Glocken. Werner reiste damals von Kirchturm zu Kirchturm mit. So habe er erkannt, wie vielschichtig das Thema ist und wie interessant es sein kann, wenn man sich immer weiter damit beschäftigt.

Zertifizierter Glocken-Profi

Mittlerweile ist Pfarrer Werner selbst ein zertifizierter Glockenprofi. Sein offizieller Titel lautet: „Geprüfter Glockensachverständiger nach den Maßgaben des Beratungsausschusses für das deutsche Glockenwesen.“ Dazu absolvierte er eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung. Diese wird an den kirchlichen Musikhochschulen in Heidelberg, Halle und Regensburg angeboten; bestehend aus drei Wochen Theorie, jeweils an einer der drei Kirchenmusikhochschulen.

Außerdem müssen die künftigen Glockenexperten Praktika in Glockengießerein und Glocken-Fachbetrieben absolvieren. Sie sind dabei beim Glockenaufhängen, beim Klöppelwechseln oder bei der Reparatur der Antriebe. Während der Ausbildung hat jeder Prüfling einen erfahrenen Glockensachverständigen an seiner Seite. Die Abschlussprüfung besteht aus einer Klausur, einer mündlichen Prüfung und der Erstellung eines Turmgutachtens.

Für Anhalt ist der neue Glockensachverständige ab sofort unter anderem immer dann gefragt, wenn größere Projekte anstehen, etwa dann wenn Glocken neu gegossen werden, um eine Klang-Charakteristik zu empfehlen. Ob Restaurierungen eines Geläuts, bei der Neubeschaffung von Glocken oder auch zur allgemeinen Zustandsbeurteilung wird er künftig mit zu Rate gezogen.

Dabei hat der Pfarrer vor der eigenen Haustür der Basilika Sankt Georg und Pancratius in Hecklingen einen besonderen Schatz hängen.

Der Glocke den Ton entlocken

Die Glocke auf dem Südturm stammt aus dem Jahr 1390. Sie wiegt zirka 1200 Kilogramm und ist dicker als die zweite andere Hecklinger Glocke auf dem im Nordturm (900 kg) , die etwa um 100 Jahre älter ist. Letztere ist tiefer vom Klang. Mit einem speziellen Instrumentarium verschiedener Stimmgabeln kann Kornelius Werner das demonstrieren. Damit kann man der Glocke einen Ton entlocken.

Von anfangs wellig wird er immer gerader, je lauter es klingt. Kornelius Werner erklärt, dass jede Glocke anders klingt. Er spricht von verschiedenen Untertönen. Und wieder anderen Teiltönen. Die schwere, dicker gegossene Glocke in Hecklingen auf dem Südturm klingt daher höher.