Magdeburg l Die finstersten Zeiten des Dreißigjährigen Krieges waren fette Lachsjahre: Fast 5000 Fische holten die Anhalter allein 1642/43 aus den Fluten der Mulde. Industrieschmutz und Wehre änderten das später allerdings grundlegend. Schon in den 1930er Jahren stieg kein einziger Lachs mehr die Mulde hinauf.

Inzwischen aber sind sie wieder da. Mehrere Dutzend Tiere ziehen derzeit jeden Herbst zum Laichen aus dem Atlantik zurück in den Fluss, sagt Andreas Regner vom Biosphärenreservat Mittlere Elbe. Künftig könnten es deutlich mehr werden. Weitere Wanderfische wie die oft meterlangen Störe könnten folgen, hofft der Experte. Dafür sorgen soll auch eine neue Fischtreppe in Dessau-Roßlau, die Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) nach der Inbetriebnahme Ende 2017 heute offiziell einweiht.

Tatsächlich gleicht das Bauwerk eher einer Umgehungsstraße. Mit einer 130 Meter langen, naturnahen Fließrinne umschifft es eine für Wanderfische bislang unpassierbare Barriere: Das bis zu 2,50 Meter hohe Dessauer Stadtwehr. Mit Kosten von sieben Millionen Euro und einer Bauzeit von zwei Jahren ist die Fischtreppe zugleich eine der größten Renaturierungsmaßnahmen des Landes der vergangenen Jahre. Umstritten war das Projekt auch deshalb nicht: Pure Steuerverschwendung, urteilte einst etwa TV-Entertainer Mario Barth.

Das Land baut indes nicht nach Belieben. Mit der Fischtreppe setzt es Auflagen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie um. Darin verpflichtet sich Sachsen-Anhalt, seine Fließgewässer für Wasserlebewesen wieder passierbar zu machen, so das Umweltministerium. Mehr als weitere 200 Projekte hat das Land allein über ein EU-Programm bereits umgesetzt. Zwischen 2007 und 2020 stehen 68 Millionen Euro bereit. Neben der Mulde in Dessau wurden zuletzt auch die Bode bei Staßfurt oder die Krug-Aller in Oebisfelde renaturiert.

Claudia Dalbert sprach angesichts der Einweihung heute von einem großen Schritt für den Artenschutz. „Endlich kann der Lachs wieder wandern.“ Die einst typische Flora und Fauna könne sich wieder entfalten. Auch für Harald Rohr, Vizepräsident des Anglerverbands, kann von Steuerverschwendung keine Rede sein: „Die Fischtreppe ist ein wichtiger Schritt zur Wiedergutmachtung der Schäden an der Natur“, sagte er.