Magdeburg l Die Notfall-Betreuung für das eigene Kind ist keine Option, weil die Alleinerziehende nicht in einem systemrelevanten Beruf tätig ist und Opa kann nicht einspringen, weil er selbst zur Risikogruppe zählt. Was nun? Ein Problem, das zahlreiche alleinerziehende Mütter und Väter seit Wochen mit viel Improvisationstalent versuchen zu bewältigen - und vorerst weiter bewältigen müssen. Denn: Alleinerziehende in Sachsen-Anhalt haben bisher nur Anspruch auf Kinder-Notbetreuung, wenn sie in einem systemrelevanten Beruf arbeiten. Zwar bietet Sachsen-Anhalt nach der neuen Verordnung künftig auch eine Notbetreuung für Kinder von Lehrerinnen und Lehrern sowie Verkäuferinnen und Verkäufern an. Doch das ist nicht genug, sagt der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt. In einem Schreiben an Sozialministerin Petra Grimm-Benne fordert der Dachverband für Fraueninteressen eine Erweiterung der Kinder-Notbetreuung für Alleinerziehende. Die Vorsitzende Eva von Angern nennt die Hansestadt Hamburg als Positivbeispiel. Dort hatte Sozialsensatorin Melanie Lenhard am Donnerstag bekanntgegeben, dass die Kitas auch für Kinder von Alleinerziehenden geöffnet werden. "Wir regen an, diese Regelung ebenfalls für Sachsen-Anhalt zu übernehmen", heißt in dem Schreiben an Grimm-Benne. "Hinzu kommt, dass in Sachsen-Anhalt ein großer Teil der berufstätigen Frauen in Teilzeit und in Minijobs arbeitet. Damit steigt das Armutsrisiko bei Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Reduzierung der Arbeitszeit aufgrund der Sicherstellung der Kinderbetreuung noch." Gestern hatte auch Nordrhein-Westfalen erklärt, ab 27. April die Notbetreuung zusätzlich für erwerbstätige Alleinerziehende zu öffnen.

Von den rund 77000 Alleinerziehenden in Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Statistischen Landesamts rund 49 000 und damit 64 Porzent erwerbstätig. Ihr Anteil an allen Alleinerziehenden stieg allein 2019 um 14 %. Eine erfreuliche Entwicklung, die nun viele Väter und Mütter jedoch aufgrund der fehlenden Kinder-Betreuung in der Corona-Krise vor große Probleme stellt.

Bis zum 9. April waren nach Angaben des Sozialministeriums nur etwa fünf Prozent der landesweit 150 441 in Kindertagesstätten angemeldeten Kinder in Notbetreuung. Das wirft die Frage auf, ob die Kapazitäten nicht da wären, um noch mehr Alleinerziehenden im Land eine Kinder-Notbetreuung zu ermöglichen.

Klar ist: In der Corona-Krise sollen künftig mehr Eltern einen Anspruch auf Notbetreuung für jüngere Kinder erhalten - es wird aber vorerst keine bundesweit einheitliche Regelung geben. "Bis mindestens zum 3. Mai 2020 regeln und erweitern die Bundesländer die Notbetreuung im Rahmen ihrer landesspezifischen Notwendigkeiten und Gegebenheiten", heißt es in den Ergebnissen einer Telefonschalte, zu der Familienministerin Franziska Giffey ihre Länderkollegen eingeladen hatte. Auch die SPD-Ministerin hatte für bundesweite Regelungen geworben, die insbesondere auch Alleinerziehende berücksichtigen sollten. Giffey hatte sich außerdem zuvor im ARD-Morgenmagazin für eine schrittweise Kita-Öffnung noch vor den Sommerferien ausgesprochen.

Auch dieser Forderung schloss sich Sachsen-Anhalts Landesfrauenrat in seinem Schreiben an Grimm-Benne an. Darin heißt es: "Eine grundsätzliche Festlegung, Kitas bis Herbst geschlossen zu halten, wie sie derzeit im Gespräch ist, kritisieren wir mit Nachdruck." Vor allem für die Entwicklung von Kindern bis fünf Jahren seien soziale Kontakte pädagogische Lerngewohnheiten unerlässlich.