Nahverkehr Sachsen-Anhalt

Bahnunternehmen Abellio geht in „sanfte Insolvenz“

Der Nahverkehrsanbieter zieht die Notbremse, geht in ein Schutzschirmverfahren und wendet so eine Pleite ab. Alle Züge fahren vorerst weiter.

Von Jens Schmidt 30.06.2021, 19:37
Auf diesen Strecken in Mitteldeutschland fahren Abellio-Züge.
Auf diesen Strecken in Mitteldeutschland fahren Abellio-Züge. Grafik: Volksstimme

Magdeburg - Das Bahnunternehmen Abellio steckt seit gestern im Schutzschirmverfahren. Diese auch als „sanfte Insolvenz“ genannte Prozedur ermöglicht eine Sanierung und bewahrt das Unternehmen vor Zahlungsunfähigkeit. In den ersten drei Monaten zahlt die Bundesagentur für Arbeit die Löhne der Mitarbeiter. Der Geschäftsführung wurde der bekannte Insolvenzverwalter Lucas Flöther aus Halle als Generalbevollmächtigter zur Seite gestellt. „Die Züge fahren alle weiter“, sagte ein Abellio-Sprecher. Abellio fährt in Sachsen-Anhalt und weiteren Bundesländern viele Nahverkehrslinien.

Das Tochterunternehmen der niederländischen Staatsbahn hatte durch günstige Angebote Ausschreibungen gewonnen, jedoch steigende Lohn- und Baustellenkosten nicht kalkuliert. Nachforderungen von gut 100 Millionen Euro allein in Sachsen-Anhalt lehnte die Landesregierung ab. Stattdessen soll der Vertrag über das Nordnetz (Magdeburg/Altmark) vorzeitig 2024 gekündigt werden.

Abellio hatte beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg das Schutzschirmverfahren beantragt. Am späten Mittwochnachmittag gab das Gericht dem statt.