Integration

Erster Preis für Vorlese-Tandems

Freiwilligenagentur Magdeburg wurde beim Integrationspreis des Landes für ihr mehrsprachiges Engagement in Kitas geehrt.

Von Christoph Carsten
Janina Schurich-Wishet von der Freiwilligenagentur Magdeburg und Vorleserin Sylvia Fisher.
Janina Schurich-Wishet von der Freiwilligenagentur Magdeburg und Vorleserin Sylvia Fisher. Foto: Christoph Carsten

Magdeburg - Nicht nur in der Corona-Pandemie ist es für viele Menschen mit Migrationsgeschichte nicht leicht, Sprachkenntnisse zu vertiefen und Kontakte zur einheimischen Bevölkerung zu knüpfen. Hier setzt ein Projekt der Magdeburger Freiwilligenagentur an: Bei „Es war zweimal“ lesen mehrsprachige Vorlese-Tandems in Kitas und Horten Geschichten auf Deutsch und in einer weiteren Sprache.

Als das Vorlesen in der Pandemie vor Ort nicht mehr möglich war, begannen die Freiwilligen in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal Vorlese-Videos zu drehen. Diese sind auch für ein überregionales Publikum abrufbar. Für ihr Engagement erhielt die Freiwilligenagentur in der Kategorie „Innovative und digitale Formate für Begegnung und Bildung“ den mit 1000 Euro dotierten Preis für Integration des Sozialministeriums.

„Die Idee hinter dem Projekt ist es, Zugewanderte und Einheimische in Kontakt zu bringen“, sagt Janina Schurich-Wishet von der Freiwilligenagentur. In einem Workshop würden den Freiwilligen vorab die wichtigsten Vorlese-Techniken vermittelt. Im Anschluss vermittle die Agentur die Freiwilligen an eine Kita oder einen Hort.

Empathie wird gefördert

Sylvia Fisher kam vor zwei Jahren aus dem Frankfurter Raum nach Magdeburg. Bei „Es war zweimal“ liest sie gemeinsam mit ihrem aus Indien stammenden Vorlesepartner in der evangelischen Kita Paulus in Magdeburg. „Kinder werden an Fremdsprachen herangeführt. Außerdem werden sie in die Lage versetzt, selbst einmal nichts zu verstehen. Das fördert die Empathie gegenüber migrantischen Kindern“, sagt Fisher.

Etwa zehn Vorleser engagieren sich aktuell in dem Projekt. „Das geht querbeet, von Studeneten bis zu älteren Menschen“ sagt Janina Schurich-Wishet.

Auf ihr schönstes Vorlese-Erlebnis angesprochen antwortet Sylvia Fisher: „Einmal gab es einen Jungen, der so fasziniert von einer Geschichte war, dass er gar nicht gehen wollte. Sein Opa, der zum Abholen gekommen war, musste sich dazusetzen und bis zum Ende warten.“ In manchen Kulturen sei es nicht üblich, Kindern etwas vorzulesen. Umso schöner finde sie es, dass Kinder durch das Projekt diese Möglichkeit hätten, sagt Fischer.

Besuche in Kitas wieder möglich

Seit gut einem Monat dürfen die Vorlese-Tandems wieder selbst in die Kitas gehen. Die Videos können nach Anforderung eines Passworts weiter im Internet abgerufen werden.

Die Gewinner des Integrationspreises wurden am 18. und 19. Mai in Magdeburg und Halle gekürt. Eine Fachjury wählte aus rund 70 Vereinen, Unternehmen, Institutionen, und Einzelpersonen die sieben Preisträger aus. Für das „Eine Welt Haus“ in Magdeburg gab es eine Sonderwürdigung.