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Impfaktion in Sachsen-Anhalt - Grimm-Benne: „Wir müssen den Turbo einlegen“

Gesundheitsministerin Grimm-Benne beriet mit den Kommunal-Obersten die weitere Impfstrategie. Bis zum Herbst sollen noch mehr als eine halbe Million Menschen von der Spritze überzeugt werden.

Von Von Jens Schmidt
Corona-Impfungen sollen einfacher zugänglich gemacht werden.
Corona-Impfungen sollen einfacher zugänglich gemacht werden. Foto: dpa

Magdeburg - In Sachsen-Anhalt sind mehr als 160.000 Ältere noch nicht gegen Corona geimpft. Erst 79 Prozent aus der besonders gefährdeten Altersgruppe ab 60 Jahren haben mindestens eine Spritze erhalten. Andere Bundesländer stehen besser da. Spitzenreiter sind Bremen mit fast 92 Prozent und Niedersachsen mit 88 Prozent. Bei den 18- bis 59-Jährigen ist in Sachsen-Anhalt sogar noch jeder Zweite ungeimpft. In Bremen sind es nur noch 27 Prozent.

Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) ist unzufrieden. „Wir müssen den Turbo einlegen“, sagte sie gestern nach einem regionalen „Impfgipfel“ – einer Videokonferenz mit Landräten und Oberbürgermeistern. Die berichten fast alle von gestiegener Impfmüdigkeit. Die äußerst niedrige Inzidenz in Sachsen-Anhalt verleite viele zur Sorglosigkeit. Zudem hätten vor allem Berufstätige auf dem Land nicht gleich einen Hausarzt in der Nähe.

„Wir brauchen eine gute Impfquote“, sagt Grimm-Benne. „Bei den Älteren streben wir ebenfalls 90 Prozent an, bei den mittleren Jahrgängen 80 bis 85 Prozent.“

Das würde bedeuten, dass Impfzentren und Arztpraxen bis zum Herbst weitere 630.000 Menschen fürs Impfen gewinnen und beachtliche 1,2 Millionen Spritzen setzen müssten. Bislang waren es 2,1 Millionen. 60 Prozent davon übernahmen bisher die Ärzte an Impfzentren.

Die Zeit drängt. Die Zentren bieten Ende August die letzten Erstimpfungen an, da sie am 30. September schließen sollen. Danach würden die 1300 Arztpraxen im Land die Immunisierung allein übernehmen. Daher werben mittlerweile alle Landkreise und Städte mit längeren Öffnungszeiten, Impfbussen sowie Sonderaktionen auf Stadtfesten oder an Supermärkten, um es den Leuten leichter zu machen. Halle erwägt Impfzeiten bis Mitternacht. Erste Städte melden Erfolge. In Salzwedel ließen sich auf dem Marktplatz nahe einer Eisdiele in fünf Stunden 168 Menschen impfen – alle zwei Minuten gab es einen Piks. Außerdem wurden etwa 100 Schüler an einer Berufsschule geimpft. „Möglicherweise werden wir mit mobilen Teams bei uns über den 30. September hinaus weitermachen“, sagt Kathrin Rösel, zuständige Dezernentin im Altmarkkreis Salzwedel. Denn gerade im Ländlichen gibt es deutlich weniger Arztpraxen als in den Städten. „Bei uns sind 16 Hausarztstellen unbesetzt.“

Das Stadt-Land-Gefälle spiegelt sich auch in der lokalen Impfstatistik. So haben in Dessau-Roßlau 62 Prozent der Einwohner mindestens eine Impfung erhalten; in Halle sind es 60 Prozent, in Magdeburg 59 Prozent. Am anderen Ende liegen die ländlich geprägten Kreise Wittenberg (48%), Salzlandkreis (49%) und der Altmarkkreis Salzwedel (50%).

Sollte die Impfkommission Stiko ein Impfen für Kinder ab 12 Jahren empfehlen, soll es auch Aktionen an Schulen geben. Grimm-Benne erwartet ein Ergebnis Anfang September.

Denkbar wäre künftig auch eine Kombi-Dosis gegen Corona und Grippe. Untersuchungen dazu laufen, sagte Kassenärzte-Chef Jörg Böhme.