Artenschutz

Klöckner fordert gezielten Abschuss von Wölfen - das sagt Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Dalbert dazu

Muss der Wolf noch geschützt werden, oder stellt er eine Bedrohung dar? Julia Klöckner plädiert für einen gezielten Abschuss. Die Volksstimme hat im Ministerium und beim Wolfskompetenzzentrum nachgefragt.

Von Tobias Hofbauer
Immer wieder nähern sich Wölfe Nutztieren. Dem will Bundesumweltministerin Klöckner entgegen treten.
Immer wieder nähern sich Wölfe Nutztieren. Dem will Bundesumweltministerin Klöckner entgegen treten. Symbolfoto: dpa

Magdeburg - Wölfe gezielt abschießen, um den Bestand zu regulieren. Das ist die Forderung der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Wenn man jetzt nicht eingreife, könnten die Tiere außer Kontrolle geraten, mahnt sie.

"Frau Klöckner macht wider besseren Wissens populistische Wahlversprechen"

Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Dalbert ärgert sich über den Vorstoß: „Frau Klöckner macht wider besseren Wissens populistische Wahlversprechen. Der Wolf ist nach internationalem, europäischem und nationalem Recht streng geschützt."

Auch Dalbert sei der Schutz der Weidetiere sehr wichtig, dafür brauche es hilfreiche Maßnahmen. "Wer dagegen Ängste vor dem 'bösen Wolf' in der Bevölkerung schürt, erzählt Märchen und macht Wahlkampf auf Kosten eines Tieres, dass bei uns fast ausgestorben war“, erläutert sie.

Die Forderung Klöckners sei mit europäischem Artenschutzrecht nicht vereinbar, denn für einen Jagdbefehl müsse der Schutzstatus des Wolfes von der EU-Kommission geändert werden, wofür es keinerlei Hinweise gebe.

Wolfskompetenzzentrum stellt mehr Risse fest

Ein Vertreter des Wolfskompetenzzentrums teilt schriftlich mit, dass sich im Jahr 2019/2020 im Gebiet Sachsen-Anhalt 19 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare mit insgesamt 134 Tieren ansiedelten. Darüber hinaus leben vier Rudel grenzübergreifend in Niedersachsen und Brandenburg mit weiteren 20 Tieren.

Die Anzahl der gerissenen Tiere ist in den vergangenen Jahren nicht unerheblich gestiegen. 2019 waren es noch 247 Fälle, 2020 bereits 335. Das zeigt die aktuelle Rissstatistik des Wolfskompetenzzentrums, die alle Fälle getöteter Nutztiere zeigt, bei denen der Wolf als Verursacher bestätigt oder nicht ausgeschlossen werden konnte.

Umgang mit dem Wolf in Leitlinie festgelegt

In Sachsen-Anhalt gilt die Leitlinie Wolf, eine Handlungsempfehlung zum Umgang mit Wölfen. Darin ist definiert, wann ein einzelner Wolf als Problemwolf gilt und welche Maßnahmen im Zweifelsfall zu ergreifen sind. Sie ist auch der Grundstein, woran sich sämtliche Behörden in Deutschland orientieren. Das Handeln der Polizei bei Gefahr bleibt davon unberührt.

Dalbert lehne im Namen Sachsen-Anhalts das Abschießen mehrerer Wölfe eines Rudels ab, solange kein konkretes Tier, das sich auffällig verhält, ausgemacht werde. Sinnvoller sei es, laut Dalbert, einen Herdenschutz mit Elektrozäunen und Schutzhunden zu erreichen. Das sei aus ihrer Sicht die beste und wirksamste Maßnahme, um die Weidetiere zu schützen.

Deshalb fördert das Land Sachsen-Anhalt den Ausbau dieser Schutzmaßnahmen und kommt damit seiner Pflicht nach, den vom Aussterben bedrohten Wolf zu schützen.