Sachsen-Anhalt

Polizisten greifen häufiger zur Waffe

Die Polizei hat in den vergangenen sieben Jahren den Einsatz der Dienstwaffe mehr als verdoppelt. Meist handelte es sich um Gnadenschüsse für verletzte Tiere. Allerdings richteten Beamte in dem Zeitraum ihre Waffen auch insgesamt 37 Mal gegen Personen.

Von Matthias Fricke
Schwerbewaffnete Einsatzkräfte der Polizei in Berlin.
Schwerbewaffnete Einsatzkräfte der Polizei in Berlin. Foto: dpa

Magdeburg - In der Nacht zum 2. Juni 2021 will ein 40-jähriger flüchtender Motorradfahrer in Magdeburg eine Polizeisperre durchbrechen. Er gibt Vollgas, hält auf die Beamten zu. Insgesamt sollen in diesem Moment zwei Polizisten mehrere Schüsse abgegeben haben. Der Mann wird getroffen, fährt aber weiter. Erst eine dreiviertel Stunde später wird er schwer verletzt an seinem Zuhause in der Börde gefunden und in die Klinik gebracht. Ihm werden nun eine Reihe von Straftaten vorgeworfen.

Auch gegen die Beamten laufen Untersuchungen. „Das ist generell so vorgeschrieben“, erklärt Polizeisprecher Frank Küssner. Während das Verfahren gegen den Motorradfahrer das Polizeirevier Burg führt, ermittelt die Polizeiinspektion Magdeburg gegen die Beamten der Polizei. Ein Ergebnis steht noch aus.

Zwei Menschen verletzt

Nach Auskunft des Innenministeriums zogen im vergangenen Jahr neun Beamte ihre Dienstwaffe gegen Personen und verletzten bei tatsächlichen Schussabgaben zwei Menschen. Drei Fälle waren reine Warnschüsse. In den Jahren 2018 und 2019 lag diese Zahl der Schusswaffenanwendungen zusammen bei acht.

Insgesamt wurden in den vergangenen sieben Jahren durch den Einsatz der Dienstwaffe fünf Menschen verletzt und vier getötet.

Olaf Sendel von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): „Wir greifen zur Waffe nur als allerletztes Mittel, wenn gar keine anderen Möglichkeiten die Gefahr abwenden können.“ Der Rahmen sei auch extrem begrenzt. Das Training heiße bei der Polizei nicht umsonst „Schieß- und Nichtschießausbildung“. Vor allem auf letztere werde Wert gelegt.

Fast 600-mal geschossen

Dennoch greifen Polizisten im Land häufiger zur Waffe. Die Zahl stieg von 276 im Jahr 2014 auf 597 Fälle im vergangenen Jahr. Der Grund: Die Beamten erlösten mit den Schüssen zu 98 Prozent verletzte Tiere nach Verkehrsunfällen von ihren Qualen. Meist, wenn der Jagdpächter nicht rechtzeitig zur Stelle ist.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Uwe Bachmann: „Gründe dafür sind das weiter zunehmende Wild und der wachsende Verkehr.“ Das ist auch im Bundestrend zu sehen. Nach einer Statistik der Deutschen Hochschule der Polizei stieg die Zahl der Schusswaffenanwendungen deutschlandweit von 10 336 Fällen im Jahr 2014 auf 15 610 im Jahr 2019. Beim Schusswaffengebrauch gegen Personen blieb die Zahl hingegen mit 135 nahezu konstant.