Abiturfeiern

Schwieriger Umgang mit Abi-Bällen

Abi-Ball und Zeugnisausgabe: Für viele das Schönste in der stressigen Abi-Zeit. Doch in der Corona-Pandemie ist es mit dem Feiern nicht so einfach.

Von Tom Szyja
Abiturienten des Magdeburger Domgymnasium tanzen auf ihrem Abi-Ball im Jahr 2012. Im Corona-Jahr sind Feierlichkeiten nicht überall so ohne weiteres möglich.
Abiturienten des Magdeburger Domgymnasium tanzen auf ihrem Abi-Ball im Jahr 2012. Im Corona-Jahr sind Feierlichkeiten nicht überall so ohne weiteres möglich. Foto: dpa

Jennifer Weese, dpa

Magdeburg Glitzernde Kleider, schicke Anzüge und ausgelassene Stimmung: Normalerweise wird nach den Abschlussprüfungen gefeiert. Doch auch im zweiten Corona-Sommer stehen mancherorts die Feiern auf der Kippe oder werden verschoben. Seit der Änderung der Corona-Verordnung Anfang Juni sind die Feiern zwar wieder erlaubt, seit der letzten Änderung sogar in einem größeren Rahmen. Die Organisation kostet aber Zeit und Kraft.

Die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Gardelegen haben diesen Aufwand in Kauf genommen. Und es hat sich ausgezahlt: Am 9. Juli findet erst die Zeugnisübergabe statt und abends dann der Abi-Ball, berichtet Schulleiterin Steffi Ros. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt in Salzwedel haben die Schüler ein Hygienekonzept erarbeitet. Das umfasst unter anderem, dass die Schüler und ihre Familien einen tagesaktuellen negativen Test vorzeigen müssen, zudem wird eine Anwesenheitsliste geführt, die beim Ansteckungsfall eine Rückverfolgung sicherstellen soll.

Ähnliches berichtet Thomas Dreher, Schulleiter des Burger Roland-Gymnasiums. „Wir sind nach wie vor vorsichtig. Daher teilen wir die Zeugnisvergabe in drei Gruppen auf, damit sind wir im letzten Jahr auch schon gut gefahren.“ Für die Organisation des Abi-Balls ist nicht die Schule zuständig, dieser wurde von der Schülerschaft geplant. Einen Tag nach der Zeugnisausgabe findet der Abi-Ball am 10. Juli in Magdeburg statt.

Schüler erarbeiten Hygienekonzept

Von vielen Schulen sei die Rückmeldung gekommen, dass die Entscheidung bezüglich der Veranstaltungen zu kurzfristig gekommen sei, sagte der Vorsitzende vom Landesschülerrat, Felix Schopf. Dort würden die Zeugnisse zunächst feierlich im kleineren Rahmen übergeben. Viele der Feiern könnten später nachgeholt werden – etwa im September vor Beginn des neuen Schuljahres. Einige wenige Schülerinnen und Schüler im Land können im Rahmen von Modellprojekten im Juli schon feiern.

Dazu gehören etwa die Abiturienten der Integrativen Gesamtschule Regine Hildebrandt in Magdeburg. Ihr Abschlussball ist ein solches Modellprojekt, genehmigt von der Landesregierung. Seit Anfang März hat Hannes Hostmann gemeinsam mit seinen Mitschülern Anträge gestellt, ein Hygienekonzept ausgearbeitet und Genehmigungen eingeholt – alles mitten im Abistress. Die größte Hürde sei die Kommunikation mit den Ämtern und den Ministerien gewesen, sagte der Schüler. Das letzte o.k. sei sehr schön gewesen. Wenn man realisiere, dass die Feier stattfinden könne, sei das eine große Freude, so Hostmann.

Die meisten Schulen in Sachsen-Anhalt haben aber aufgrund der Corona-Lage noch nicht so früh mit den Planungen begonnen und müssen nun kreativ sein – oder verschieben. So wird es etwa bei Gina Mundkowski sein, die am Gymnasium Stephaneum in Aschersleben ihren Abschluss macht. Mit den Öffnungen habe man überlegt, ob die Feier vorverlegt werden könne, sich aber dann doch dagegen entschieden, sagte Mundkowski, die auch im Landesschülerrat aktiv ist. Es sei insgesamt ein zu großer Aufwand gewesen, alles umzuplanen.

Corona-Regeln: 500 Gäste in Innenräumen erlaubt

Anfangs sei sie sehr traurig gewesen, dass der Abi-Ball erst im September stattfindet. „Das befreiende Gefühl, dass man es geschafft hat, ist im September ja einfach nicht mehr so präsent“, sagte Mundkowski. Wichtiger sei aber, dass es überhaupt eine Feier gebe. „Wir hatten schon keinen letzten Schultag. Und wenn man dann noch keinen Abi-Ball hat, dann fragt man sich, wo die Feierlichkeiten zu diesem Abschluss sind“, so die Schülerin weiter. „Aber wir sind einfach dankbar, dass es trotzdem klappt.“ Aktuell sind laut Gesundheitsministerium Abschlussfeiern, die professionell organisiert sind, in geschlossenen Räumen mit maximal 500 Personen erlaubt. Im Freien dürfen bis zu 1000 Gäste teilnehmen. Vorausgesetzt werde dabei, dass die Gäste einen negativen Corona-Test vorweisen können und Anwesenheitslisten geführt werden, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Vollständig Geimpfte und Genesene zählen nicht mit. Sie benötigen auch keinen negativen Test. Kinder und Jugendliche unter 18 sind demnach ebenfalls von der Testpflicht ausgenommen.

Das zuständige Gesundheitsamt kann nach Angaben der Stadt Magdeburg beratend tätig werden; eine Genehmigung durch kommunale Behörden ist nicht vorgesehen. Eine Veranstaltung ist dann professionell organisiert, wenn der Veranstalter im Rahmen einer geschäftlichen, beruflichen, dienstlichen oder vergleichbaren Verantwortung ein Hygienekonzept erstellt hat. Das kann auch der Gastwirt sein.

Mit späten Feiern im September hoffe man auf weitere Lockerungen, so dass vielleicht sogar Oma und Opa mitkommen könnten, sagte Abiturientin Gina Mundkowski. Viele Schülerinnen und Schüler hätten allerdings schon abgesagt. Das große Problem an den späten Feiern sei, das viele unter Umständen schon zum Studium oder Job weggezogen seien.