in zeiten der pandemie

Tag der Kinderbetreuung: Wie steht es um Sachsen-Anhalts Kitas?

Jährlich findet am 10. Mai der offizielle Tag der Kinderbetreuung statt. Eine Kampagne, um Erziehern und Tagespflegeeltern zu danken. Durch Covid-19 hat sich die Situation in den Kitas verschärft. Wie geht es unseren Fachkräften momentan?

Von Linda May van Bui
Der Tag der Kinderbetreuung soll den Stellenwert familienergänzender Bildung, Betreuung und Erziehung verdeutlichen und einen idealen Rahmen bieten, um dieses gesellschaftspolitisch wichtige Thema in den Fokus zu rücken.
Der Tag der Kinderbetreuung soll den Stellenwert familienergänzender Bildung, Betreuung und Erziehung verdeutlichen und einen idealen Rahmen bieten, um dieses gesellschaftspolitisch wichtige Thema in den Fokus zu rücken. iStockphoto

Magdeburg. Seit 2012 findet jedes Jahr nach Muttertag der Tag der Kinderbetreuung statt. Intention des Ganzen ist es, die professionelle und auch anstrengende Arbeit der Pädagogen wertzuschätzen. Bundesweit finden Aktionen und Veranstaltungen durch Eltern, Träger, Verbände, Kommunen, Politik und Wirtschaft statt.

Doch die Pandemie hat die Fachkräfte in eine Ausnahmesituation gebracht. Der Verband für Bildung und Erziehung (VBE) Sachsen-Anhalt und die Kita Knirpsenland aus Magdeburg äußern sich zur aktuellen Lage.

Der VBE: Interessenvertreter für alle pädagogischen Fachkräfte

Der VBE Sachsen-Anhalt fungiert für die Branche als Fachgewerkschaft im deutschen Beamtenbund. Sie vertreten die Interessen der Lehrer und Erzieher aller Sparten - von Kita bis Oberstufe. Torsten Wahl, Landesvorsitzender des Verbandes, schätzt die aktuelle Situation zwigespalten ein. "Konzeptionell stehen wir gut da. Nicht nur landesweit, sondern auch bundesweit", sagt er. Doch der Umsetzung dieser Konzepte wird meist die finanzielle Lage der Kommunen als Stein in den Weg gelegt. 

Gerade das Umschalten vom Normalbetrieb in eine unbekannte, neue Ausnahmesituation war für alle Einrichtung in Sachsen-Anhalt kein leichtes Unterfangen. Wege und Möglichkeiten zu finden, um in Kitas, Schulen und Horten einen geregelten Fahrplan zu entwickeln, war eine der größten Herausforderung, so Wahl. Der Verband hat sich in den letzten Monaten daher besonders für das Aufstellen von eindeutigen Regluarien und Maßnahmen eingesetzt. 

Was läuft momentan gut?

Was der Vorsitzende besonders positiv hervorhebt, ist zumindest das aktuell laufende Impfangebot. Alle Pädagogen, egal welchen Alters, haben weitestgehend die Möglichkeit sich impfen zu lassen. Man erhoffe sich so eine Minderung des Ansteckungsrisikos in den Einrichtungen - und in diesem Zuge natürlich das baldige Aufnehmen des gewohnten Normalbetriebs. 

Wichtig ist es Torsten Wahl vor allem, dass in naher Zukunft mehr Personal eingestellt werden sollte. Das sei eine dringende Maßnahme, um die Erzieher physisch und psychisch zu entlasten. Im zweiten Halbjahr, im Oktober, befindet sich der Verband zudem in Tarifverhandlungen. Ziel ist es, eine bessere Entlohnung zu garantieren, sodass den Alltagshelden auch mehr Anerkennung für ihre Leistungen zu Gute kommt. 

Kita Knirpsenland: Wie geht es denen, die es hautnah miterleben?

Die Erzieher der Kita Knirpsenland in Magdeburg erleben die aktuelle Situation aus nächster Nähe. David Hartmann, stellvertrender Leiter der Einrichtung und sein Team haben seither mit einigen Hürden zu kämpfen. "Alle Hygiene-Bestimmungen einzuhalten ist unser größtes Problem", sagt der 40-Jährige. Nicht alle Eltern würden an einem Strang ziehen - so gibt es immer wieder kleine Diskussionen rund um die Maskenpflicht und das Vertretungsverbot der Gruppenräume. 

Auch für die Kinder selbst sind die Einschränkungen spürbar. Gewohnte Veranstaltungen wie Eltern-Kind-Abende oder aufregende Ausflüge sind nicht möglich.

"Na klar, werfen wir auch mal den Beamer an und versuchen den Kindern eine Filmvorführung zu bieten, aber das Gefühl, ein richtiges Theater zu besuchen, ersetzt das auf keinen Fall."

David Hartmann, stellv. Leiter der Kita Knirpsenland

Auch das Erlernen gewisser Kompetenzen im Alltag fällt flach. "Wenn wir einen Ausflug zu Fuß machten, dann spielte auch die hautnahe Verkehrserziehung eine wichtige Rolle." In Zeiten von Corona fällt das fast vollständig flach.

Wie hat sich der Alltag in der Kita verändert?

Besonders schwierig für die Kinder zu verstehen sei es, dass sie nicht mehr gruppenübergreifend spielen können. Gemeinsame Freizeitprojekte oder das Toben in Garten und Hof waren eine tolle Möglichkeit, um neue Freundschaften zu schließen. Aktuell gibt es abgesteckte Bereiche im Außengelände. Die festen Gruppen wechseln diese im täglichen Rhythmus. Zusätzlich kam mit der Pandemie eine Welle an Bürokratie auf die Erzieher zu. Kontaktverfolung und Formulare stehen seither auf der Tagesordnung. 

Ebenso die Notbetreuung im vergangenen Jahr stellte den gewohnten Alltag der Kita noch einmal mehr auf den Kopf. Von Ende März bis Ende Juli 2020 waren die Türen der Kita geschlossen. Nur Eltern, die wirklich keine andere Option der Betreuung hatten, durften ihr Kind in die Einrichtung bringen. Die Gruppegröße schrumpfte in dieser Zeit von rund 23 auf 8 Kinder. In den Augen von David Hartmann war dies allerdings eine wichtige Maßnahme, um die Gesundheit Aller zu garantieren - auch, wenn er die Sicht der Eltern gut verstehen könne. 

Im Winter letztens Jahres galt glücklicherweise eine Art "Teilnotbetreuung". Paare, in denen ein Elternteil im Bereich der kritischen Infrastruktur beruflich tätig war, konnten ihr Kind in die Kita bringen - sofern das andere Elternteil ebenfalls keine Möglichkeit sah, den Sohn oder die Tochter zu betreuen. Viele betroffene Eltern nahmen das Angebot an. Andere, die es in jedem Falle ebenfalls gebraucht hätten, versuchten mit aller Kraft anderweitige Betreuungslösungen zu finden - dafür ist David Hartmann besonders dankbar. Denn oftmals musste das Team Arbeitgebern hinterher telefonieren, um einschätzen zu können, welche Elternpaare die Notbetreuung nicht zwingend benötigten und trotzdem in Anspruch nahmen. 

"Wir wünschen uns mehr Anerkennung."

Die Lage zerrt am Gemütszustand aller. "Der herrschende Personalmangel belastet uns, das gebe ich ehrlich zu", sagt David Hartmann. Allerdings müsse er positiv hervorheben, dass die Stiftung der Einrichtung, Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg, Springer stellt, die in schweren Phasen aushelfen. Auch die Praktikanten sind eine tolle Unterstützung und eine große Hilfe. In der Regel sind zwei Erzieher für rund 23 Kinder zuständig. Kommt Urlaub oder Krankheit dazu, ist die Arbeit für eine Person allein kaum stemmbar. Das war leider auch vor Corona schon ein großes Problem. 

Das ist auch einer der Wünsche seitens des 40-Jährigen - ein besserer Betreuungsschlüssel muss her. Daneben sollte den Kita-Erziehern endlich mehr Anerkennung gezeigt werden. Nicht einmal unbedingt in Form von Bezahlung, meint Hartmann. Aber eine Gleichstellung, mit beispielsweise den Grundschullehrern, würde die Betroffenen schon sehr freuen.

Viele denken immer, wir sind nur zum Spielen da. Aber auch wir leisten relevante Arbeit. Wir halten uns an das offizielle Bildungsprogramm. Wir machen vollwertige pädagogische Arbeit.

David Hartmann, stellv. Leiter der Kita Knirpsenland

So bedankt sich Sachsen-Anhalt

Anerkennung - das Wort, um das es sich drehen sollte. Bundesweit wird die Aktion rege unterstützt. Unter dem Hashtag #Weilwireuchbrauchen oder #TagderKinderbetreuung sind im Netz viele Botschaften und Dankesvideos zu sehen. So Sachsen-Anhalts Linken-Politikerin Kerstin Eisenreich oder der CDU Sachsen-Anhalt auf Instagram und Twitter. 

Die Stadt Magdeburg veröffentlichte ebenso einen Facebook-Post, in dem sie allen Erzieherinnen, Erziehern und pädagogischen Mitarbeitern herzlich für ihre tägliche Arbeit dankt, die Respekt und Anerkennung verdient.

Auch Ministerin Petra Grimm-Benne erklärte gegenüber der Volksstimme: "Die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas und Horten haben Enormes geleistet – und leisten Enormes –, indem sie mit viel Einsatzbereitschaft, Empathie und Flexibilität daran mitwirken, die Kinderbetreuung auch unter Pandemiebedingungen aufrechtzuerhalten. Für diese Höchstleistungen zum Wohle eines familienfreundlichen Landes gebührt allen Beschäftigten in der Kinderbetreuung mein größter Respekt – am Tag der Kinderbetreuung und weit über den heutigen Tag hinaus!“